16.12.2009

Nobelpreis für Oliver Williamson

Am 10. Dezember 2009 wurde dem Wirtschaftswissenschaftler Oliver E. Williamson (University of California, Berkeley) der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften verliehen. Das ist ziemlich untergegangen in dem ganzen Hype, der um die Trägerin des Literaturnobelpreises Hertha Müller veranstaltet wurde. Auch hinter seiner Kollegin Elinor Ostrom musste Williamson zurücktreten - Frau Ostrom wurde in der Presse hierzulande nicht etwa wegen ihrer vor allem für Agrarwissenschaften wichtigen Erkenntnisse in der Ökonomik geehrt ("Die Verfassung der Allmende"), sondern weil sie als erste Frau den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhalten hat. So tickt eben die deutsche Medienlandschaft.

 

Dabei ist Oliver E. Williamson nicht irgendwer: Mit seiner Transaktionskostenökonomik, die er in seinem Buch "Die ökonomischen Institutionen des Kapitalismus", in zahlreichen Aufsätzen und Beiträgen dargestellt hat, hat er nicht nur wesentlich das amerikanische Antitrustrecht beeinflusst, sondern auch den Grundstein für die Corporate Governance gelegt, die heute in aller Munde ist. Außerdem ist die Transaktionskostenökonomik ein wichtiger Bestandteil der Neuen Institutionenökonomik.

 

Williamsons Theorien spielen eine wichtige Rolle in meiner Habilitationsschrift "Die Wirkungsgeschichte des deutschen Kartellrechts vor 1914", in der ich die Vertragsstrategien des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats vor 1914 untersucht habe. Williamsons Theorien sind nicht nur in praktischen Untersuchungen bestätigt worden, sondern auch für jedermann verständlich - sogar ohne die komplizierte Mathematik, mit der Ökonomen gerne arbeiten.

 

Für Juristen ist die Transaktionskostenökonomik wegen ihres Bezugs zum Antitrust- und Unternehmensrecht von Interesse - das haben aber Rezensenten meiner Habilschrift in ZRG und ZNR nicht begriffen oder begreifen wollen. Vor allem im letzteren Fall (ZNR 2008, 311 - 312) wird behauptet, die mithilfe der Transaktionskostenökonomik erzielten Ergebnisse seien "banal." Nun - es ist doch erfreulich, dass mit solchen "Banalitäten" ein Nobelpreis gewonnen werden kann.

 

Herzlichen Glückwunsch, Oliver Williamson!