Olivia Zorn: Unter Atons Strahlen. Echnaton und Nofretete

Verlag Michael Haase, Berlin, 2010
ISBN: 978-3-9814044-0-1
75 Abb., 78 Seiten, Preis: € 9,90


Wohl kaum eine Epoche der altägyptischen Geschichte ist so spannend und geheimnisvoll wie die Zeit der 18. Dynastie mit ihren bekannten Pharaonen Amenohis III., Tut-anch-Amun oder Haremhab, und natürlich der Amarna-Zeit unter der Regentschaft Amenophis IV. (besser bekannt als Echnaton) und Nofretete. Gerade die Amarna-Zeit hat in den letzten Jahrzehnten zu einer Vielzahl von Publikationen geführt, einige nüchtern und sachlich, andere voller Spekulationen. Dazu lädt die Amarna-Zeit auch ein: Warum dieser plötzliche Wandel in der ägyptischen Kunst, weg von der idealisierten Darstellung hin zu einer realistischeren, manches mal sogar schon überzeichneten Darstellung des Königs, seiner Familie und seines Hofstaates? Was geschah mit Nofretete? Ist sie vor Echnaton gestorben oder hat sie ihn überlebt, sogar als Pharao Semenchkare überlebt und beerbt? Hatte Echnaton tatsächlich einen radikalen Wandel in der traditionellen ägyptischen Religion mit ihren vielen Göttern durchgeführt und als erster eine monotheistische Religion – die des Sonnengottes Aton – etabliert? Vor diesem Hintergrund wirkt das – auf den ersten Blick sehr dünne –Buch von Olivia Zorn sehr angenehm. Die Autorin Olivia Zorn ist Ägyptologin und seit 2009 stellvertretende Direktorin des Ägyptischen Museums im Neuen Museum Berlin und ist als Expertin für die Amarna-Zeit um so qualifizierter, eine Darstellung zu dieser Epoche zu schreiben. Das Buch eignet sich hervorragend als Museumsbegleiter. Anders als bei üblichen Museumsführern verzichtet die Autorin darauf, die Ausstellungsstücke aus der Amarna-Zeit einzeln vorzustellen, sondern sie bindet sie ein in eine umfassende Darstellung der Epoche: Die Familie Echnatons, seine Stadt Achet-Aton (Amarna), den Wandel in der Kunst, die religiöse Lehre des Aton Kultes und die Nachwirkungen der Amarna-Zeit. Eine kurze Beschreibung der Amarna-Sammlung des Ägyptischen Museums sowie ein Vorwort von Dietrich Wildung, dem vormaligen Direktor des Ägyptischen Museums Berlin, ergänzen das Bild. Was das Buch von Zorn so positiv von vielen anderen Werken zum Thema abhebt ist der Verzicht auf Spekulationen, die man in vielen anderen Büchern findet. Die Autorin beschränkt sich auf die Darstellung der Epoche anhand der bekannten Fakten, die völlig ausreichen, denn die Amarna-Zeit ist auch so spannend genug. Außerdem erfährt der Leser alles notwendige, was er über die Amarna-Zeit und über die Berliner Austellungsorbjekte wissen muss. Eine Auflistung ausgewählter Literatur bietet jedem Leser die Möglichkeit, das Thema weiter zu vertiefen.