
Heisoft Publishing AG
Telepolis
ISBN-10: 3936931577
ISBN-13: 978-3936931570
320 Seiten, Preis: 19,90 Euro
Gibt es außerirdische Zivilisationen? Der Beantwortung dieser Frage widmen sich Forschungsprojekte, die gewöhnlich mit "SETI" umschrieben werden, hinter denen sich aber viele Bezeichnungen verbergen, etwa SERENDIP oder OSETI (= Optical SETI). Größtenteils haben sie eines gemeinsam: Die Suche nach Radiosignalen, die außerirdische Zivilisationen (so sie denn existieren) aussenden - größtenteils, denn OSETI geht einen ganz anderen Weg: Hier wird nach Lichtsignalen gesucht.
Dem Autor gelingt es vorzüglich, dem Leser die Faszination von SETI darzustellen und Licht auf den für den Laien bestehenden Wirrwarr dieser Projekte zu werfen. Er stellt die Geschichte der Suche nach außerirdischen Zivilisationen dar, stellt die Köpfe hinter den Projekten vor (natürlich hier - ganz klar - Frank Drake, aber auch Jill Tarter, der unverwüstliche Seth Shostak oder Carl Sagan und viele andere) und befasst sich eingehend mit den Mythen von SETI - die es ja inzwischen auch gibt. An prominenter Stelle steht hier das sogenannte "Wow-Signal", das von vielen als ein echtes Signal aus den tiefen des Alls bewertet wird (und etwa so von Stephen Hawking auf seiner DVD "Geheimnisse des Universum" dargestellt wird), das der Autor aber kritisch hinterfragt. Gleiches gilt für das "Fermi Paradoxon", das Kritiker von SETI immer wieder gerne als Totschlagargument gegen die Existenz außerirdischer Zivilisationen aus dem Hut zaubern: Wenn es "sie" denn gäbe, dann müssten sie doch längst hier sein - da sie aber nicht hier sind, gibt es sie nicht. Einmal abgesehen davon, dass das "Fermi Paradoxon" von Enrico Fermi so gar nicht gemeint war, geht es von der falschen Prämisse aus, dass hochentwickelte außerirdische Zivilisationen zwangsläufig die gesamte Galaxie erkunden. Eine gewagte Vorstellung, auch gemessen an der enormen Größe unserer Milchstraße.
Neben den "klassischen" SETI-Projekten, die sich mit dem Lauschen befassen, geht der Autor auch kritisch auf solche Projekte ein, die aktiv senden - denn hier könnten sich Gefahren verbergen: Vielleicht gibt es in gar nicht so großer Entfernung hochentwickelte Zivilisationen, die alles andere als freundlich gesinnt sind und die Erde als begehrtes Eroberungsobjekt ansehen? SETI hat in unserer kosmischen Nachbarschaft - im Radius von etwa 50 Lichtjahren - keine Hinweise auf Zivilisationen gefunden. Das muss aber nicht bedeuten, dass da niemand existiert, der nicht seinerseits lauscht. Den üblichen "Lärm", den eine Zivilisation macht, wird man aus einer Entfernung von mehr als 2 Lichtjahren mit den üblichen Radioteleskopen, wie sie von den verschiedenen SETI-Projekten genutzt wurden und werden, nicht oder nur sehr schwer empfangen werden; hinzukommt, dass unsere Zivilisation durch die zunehmende Digitalisierung immer leiser wird - was, wenn sich andere Zivilisationen ähnlich entwickeln? Und einen gerichteten Funkstrahl ins All zu senden, mag vielleicht einen Treffer geben, aber das muss nicht zwangsläufig so sein: Wohin soll man zielen? Und wie soll man zielen? Man kann nicht einfach einen Stern wie etwa den Sonnenzwilling 18 Scorpii anpeilen und dort ein Funksignal hinschicken - der ca. 45 Lichtjahre entfernte Stern bewegt sich, wie die Sonne, um das Zentrum der Milchstraße und wird in 45 Jahren nicht mehr an der Stelle stehen, an der er sich heute befindet (wenn das auch für uns von der Erde aus nicht wahrnehmbar ist). Dass bislang das große Schweigen herrscht, muss also keineswegs bedeuten, dass es außer der unseren sonst keine Zivilisationen in der Milchstraße gibt. Neue Projekte sollen hier neues Terrain beschreiten: Vernetzte Radioteleskope auf der Erde, Intensivierung von OSETI (auch dieses Projekt soll bereits sein WOW-Signal haben), der Weg ins All, weg vom störenden Einfluss der Erde ... mit den künftigen Projekten will man sogar in der Lage sein, das normale "Rauschen" zu hören (Fernsehsendungen, Radio etc.), das eine Zivilisation wie die unsere absondert; bislang reicht die Technologie ja nicht aus, dieses "Zivilisationsrauschen" zu hören. Wünschenswert wäre etwa ein Radioteleskop, das vergleichbar dem Arecibo-Observatorium in Puerto Rico (nur viel größer) in einem Krater auf der Mondrückseite installiert wird; ungestört von irdischer Radiostrahlung könnten Radioastronomen in aller Ruhe in die Milchstraße lauschen - nach kosmischen Phänomenen und nach Signalen fremder Zivilisationen. Ein solches Observatorium wäre sogar in der Lage, die übliche "Geräuschkulisse" einer technischen Zivilisation zu empfangen.
Kurzum: SETI lebt, auch wenn bislang noch kein Signal einer außerirdischen Intelligenz geortet wurde. Das Buch fordert dazu auf, die Suche nicht einzustellen, sondern weiterzuforschen, denn wer weiß: eines Tages vielleicht? Wie optimistisch die SETI-Forscher sind, zeigt die Entdeckung des Planeten Kepler 22b: Kaum war die Entdeckung des ersten Planeten, der sich wirklich in der habitablen Zone um seine Sonne befindet, bekannt gegeben worden, wurde gemeldet, dass SETI nunmehr dorthin lauscht. Ob sie etwas finden werden? Ich bezweifle es ... aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.