Kernbohrungen im alten Ägypten

Immer wieder stehen Menschen staunend vor den Hinterlassenschaften der alten Ägypter. Das ging dem arabischen Historiker Al-Makrizi im Angesicht der Pyramiden von Giza ebenso wie dem modernen Ägyptenreisenden, der in Abusir in den Ruinen des Pyramidenkomplexes von Sahure sauber ausgebohrte Löcher in Hartgestein bewundert. Anders als Al-Makrizi, der im 15. Jahrhundert lebte und dem angesichts des kulturellen Niedergangs der antiken Welt im Frühmittelalter kaum Informationen über die Pyramiden zur Verfügung standen, können heutige Besucher Ägyptens in den Forschungsergebnissen recherchieren, die Ägyptologen in den letzten 200 Jahren machten. Doch statt dessen wird  so mancher dem Betrachter unverständliche Befund zu einem mysteriösen Rätsel erklärt. So ergeht es auch den Spuren von Kernbohrungen in Abusir - sie sind Anlass für Spekulationen über außerirdische Besucher und Hochtechnologie im Altertum.


I. Außerirdisches

Blick von den Überresten des Sonnentempels von Niuserre zu den Pyramiden in Abusir; Foto: Jon Bodsworth
Überreste des Totentempels von König Sahure (5. Dynastie). Hier finden sich zahlreiche Spuren altägyptischer Kernbohrungen. Foto: Jon Bodsworth

Kernbohrungen in Hartgestein sind in der Ägyptologie schon seit langem kein unbekanntes Thema mehr (1). Ganz anders aber sah dies in der ersten Hälfte der neunziger Jahre für die parawissenschaftlich orientierte, sogenannte "Paläo-SETI" aus, die einen Beweis für den Besuch Außerirdischer auf der Erde erbringen will und zu deren primären, angeblichen Belegen für einen solchen Besuch das alte Ägypten gehört. Wenn "Göttervater" Erich von Däniken 1989 in seinem Buch "Die Augen der Sphinx" laut über einen Einfluss außerirdischer Mächte beim Bau der Cheops-Pyramide nachdenkt (2), dann regte das seine Epigonen zur Suche nach weiteren, möglichen Indizien für außerirdische Hochtechnologie an (3).


Dies traf auch auf Christian Sollner zu, der im Rahmen einer A.A.S.- Reise nach Ägypten die Möglichkeit hatte, das elf Kilometer südlich von Kairo gelegene Pyramidenfeld von Abusir zu besuchen (4). Sollner fielen dort Gesteinsbrocken auf, die deutliche Spuren von Kernbohrungen aufwiesen. Kernbohrungen aber gibt es erst, so Sollner, seit dem Jahr 1876 (5). Sollner zitiert aus Petries "The Pyramids and Temples of Gizeh" und behauptet, Petrie beschreibe dort eben diese Bohrlöcher, er habe sie sogar skizziert. Sollner führt dann weiter aus (6):

"Das Gestein in Abusir kann nicht mit Steinwerkzeugen, Holz, Knochen oder anderen weichen Werkzeugen mit einer derartigen Präzision bearbeitet worden sein. Zum Vergleich: Diamant ist mit dem Härtegrad 10 das härteste Material. Diorit nimmt auf dieser Skala den Wert 8,4 ein. Die heutigen Kernbohrer durchlöchern Diorit immerhin mit einem Pressdruck von 200 Atmosphären. - Wie waren die Ägypter vor mehr als 4500 Jahren dazu in der Lage?"

Anstatt nun die einschlägige Literatur zu Rate zu ziehen und dort nach einer Antwort zu suchen, wird spekuliert (7): Woher können die alten Ägypter wohl ihr Wissen haben, um derartige Arbeiten auszuführen? Sollner hatte damit eine Frage gestellt, die niemand anderes als Erich von Däniken für die Paläo-SETI weiter ausführen sollte: (8)

"Den ägyptischen Baumeistern müssen Arbeitsgeräte zur Verfügung gestanden haben, von denen wir bislang keine Kenntnis haben. Doch Techniken wie die Kernbohrung werden nicht über Nacht erfunden. Auch die Technologie hat ihre Evolution, die Erfindung des Bohrers allein genügt nicht. Für eine Kernbohrung wird das richtige Werkmaterial benötigt, beispielsweise eine mit Diamanten bestückte Bohrspitze. Dazu muß der harte Kunststoff, welcher die Diamanten mit dem Bohrer verklebt, entwickelt werden. Schließlich ist eine Apparatur zur präzisen Führung des Bohrers erforderlich. Ich finde es faszinierend, dass auch in unserer Zeit noch lange nicht alle Fragen beantwortet sind. Dass wir oft gezwungen werden, über alte Dinge, die längst abgehakt scheinen, neu nachzudenken. Im Falle der Kernbohrung müßte man sich auch fragen, weshalb bestimmte Bohrkerne in den Granit, andere wiederum in den Diorit getrieben wurden. Die unterschiedlichen Gesteinsarten setzen schließlich voraus, dass die Konstrukteure über die Zug- und Druckfähigkeit der zu verarbeitenden Materialien Bescheid wußten und sie dementsprechend einsetzten. Für all dies ist ein Lernprozeß langjähriger Erfahrung vonnöten - vor über viertausend Jahren? Oder haben meine All-Mächtigen im alten Ägypten etwas Nachhilfeunterricht erteilt ?"

Diese Textpassage ist für die allgemeine Kritik an der von der A.A.S. vertretenen Paläo-SETI-Hypothese besonders interessant. Zunächst wird der Befund vorgestellt - Kernbohrungen im alten Ägypten. Sodann werden Fragen formuliert, die nicht unvernünftig sind - auch die Ägyptologen wissen heute nicht genau, wie Kernbohrungen im Detail durchgeführt wurden. So schreibt beispielsweise Mark Lehner (9) :

"Eine der verwirrendsten Fragen des Pyramidenbaus ist, wie die Bauleute in den Stein eindrangen, der so hart ist wie Basalt oder Granit. In vielen Monumenten der 4. und 5. Dynastie sind Bohrlöcher im Granit mit deutlichen Riefen erhalten geblieben. Womit auch immer man sie bohrte - es mußte zumindest so hart sein wie Quarz, das härteste der Minerale, aus denen sich Granit zusammensetzt. Höchstwahrscheinlich wurde ein Kupferbohrer oder eine Kupfersäge in Verbindung mit einem Schleifgemisch aus Wasser, Gips und Quarzsand benutzt, wobei die Kupferklinge lediglich zur Führung diente und der Quarzsand das eigentliche Schneiden besorgte. Getrocknete Überreste des (vom Kupfer grüngefärbten) Gemischs sind noch in tiefen Einschnitten von Basaltblöcken aus Cheops' Totentempel erkennbar. Bronze (eine härtere Kupferlegierung) wurde wahrscheinlich erst im Mittleren Reich eingesetzt."

Anders als in der Ägyptologie unternimmt von Däniken aber nicht den Versuch, sich einer Antwort auf die von ihm gestellten Fragen durch Konsultierung der Fachliteratur oder weitere Forschung anzunähern, sondern er macht einen Mythos daraus. Geschickt wird eine Verknüpfung mit der Behauptung hergestellt, vor 4000 Jahren seien die Menschen zur Entwicklung solcher Techniken nicht in der Lage gewesen - und so kommen die Astronautengötter ins Spiel. Dies ist ein in der Paläo-SETI vielfach beobachtete Argumtentationsform, die für ihre Vertreter zwangsläufig erforderlich ist, um die Außerirdischen thematisieren zu können. Dabei waren die alten Ägypter vor 4500 Jahren sehr wohl imstande, die Probleme, die sich mit dem Bohren in Hartgestein ergaben, selbst mit ihren eigenen Mitteln zu lösen. Damit hatte Erich von Däniken ein Thema in der Paläo-SETI hoffähig gemacht, das auf Antwort wartete. Und diese Antwort lieferte Thomas H. Fuss, der in den Kernbohrungsspuren in der Tat Hinweise auf eine Hochtechnologie zu erkennen glaubt, in seinem Artikel "Abusir - Mysterium einer vergessenen Technik". Kategorisch stellt Fuss zunächst fest (10):

"Auch wenn einige Ägyptologen immer noch daran festhalten - mittels Holz und Kupfer waren solche Leistungen nicht möglich. Selbst heute sind wir nur unter Zuhilfenahme besagter Kernbohrtechnik, einem Bohrpreßdruck von etwa zwei Tonnen und vor allem Diamanten (Mohrstärke 10) als Schneidematerial in der Lage, Bohrungen in Gestein wie Granit oder Diorit durchzuführen. Fazit: So neuzeitlich die Bohrungen in Abusir anmuten, so modern und hochtechnisiert muß zwangsläufig auch das dafür verantwortliche 'Arbeitsgerät' gewesen sein. Doch woher nehmen ... ?"

Der Beitrag von Fuss ist eine Reaktion auf einen Artikel von Michael Haase aus dem Jahr 1996, in dem dieser die bisher in der Paläo-SETI kursierenden Behauptungen aufgriff und klar machte, dass es aus wissenschaftlicher Sicht keinerlei Bedarf für eine außerirdische Hochtechnologie gibt (11). Die von Haase vorgetragenen ägyptologischen Fakten und die sich daraus ergebenden Schlußfolgerungen stießen in der A.A.S. jedoch, wie man am Beispiel von Fuss sieht, auf Kritik. Man hat den Eindruck, das sich ein einmal zum Rätsel erklärtes Phänomen nicht mehr ad acta gelegt werden kann, selbst wenn es plausible und eindeutige Widerlegungen gibt. Beispiele gibt es in der Paläo-SETI zur Genüge - man denke nur an die "Theorien" eines Zecharia Sitchin oder das "Marsgesicht", das von Erich von Däniken in seinem 2001 erschienenen Buch "Die Götter waren Astronauten !" entgegen allen Widerlegungen durch Johannes Fiebag wieder als Mysterium hoffähig gemacht wird. Doch kehren wir zu Fuss zurück. Zunächst stellt Fuss - und da bewegt er sich durchaus auf dem Boden der Archäologie - fest (12):

"Für den ägyptischen Raum exisitieren Hinweise auf Diamanten oder gar Diamantbohrer aus der Zeit des Alten Reiches weder als Funde noch philologisch tradiert."

Anstatt nun aber, was einem seriösen und wissenschaftlichen Herangehen entspräche, mit der Fachliteratur zu dem Ergebnis zu kommen, daß die alten Ägypter vermutlich keine Diamanten benutzten und erst recht keine Hochtechnologie, wendet sich Fuss zur Beantwortung seiner Frage dem jüdischen Kulturkreis zu. Er beruft sich auf den in jüdischen Quellen erwähnten Schamir, ein Objekt, das der Talmud als "Schneidewurm" und das Sohar als "metallspaltender Wurm" bezeichnet (13). In der Bibel findet sich in Jeremia 17, 1 sogar der deutliche Hinweis auf den Diamanten (14). Dieser "Schamir", so mutmaßt Fuss, weist von seinem Wortstamm her auf das alte Ägypten hin, wo man bereits mit dem diamantbesetzten "Schamir" gearbeitet habe. Alte Quellen, so Fuss, würden darauf hindeuten, daß es sich hierbei in der Tat um ein Hightechgerät handelte, das von "Gott" oder "Göttern" mitgebracht und angewendet wurde - im Sprachgebrauch der Paläo-SETI also von Außerirdischen.

Haben wir hier in der Tat einen Hinweis auf eine antike Hochtechnologie, die erst in unseren Tagen wiederentdeckt wurde? Nein. Die Hinweise auf den "Schamir" in jüdischen Quellen sowie im Alten Testament lassen diesen Schluss nicht zu. Hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle:

1.    Es handelt sich um zwei unterschiedliche Kulturkreise: Die altägyptische Kultur war zum Zeitpunkt der Niederschrift des Textes im Alten Testament schon 2500 Jahre alt, die Bohrungen in Abusir, die von Fuss mit dem "Schamir" zusammengebracht werden, lagen ungefähr 1800 Jahre zurück (14a). Es ist ein typisches Erscheinungsbild in der Pseudoarchäologie, daß die Geschichte des alten Ägypten kräftig durcheinandergewirbelt wird, um letztendlich die Astronautengötter ins Spiel zu bringen. Dazu weden dann schonmal 1000 Jahre zusammengestrichen (15). Hinzu kommt auch der technologische Fortschritt, den die Menschen - übrigens ganz ohne Hilfe Außerirdischer - zustande brachten: Die Metallurgie hatte zwischen dem Alten Reich und der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. enorme Fortschritte gemacht. Die Handwerker des Alten Reiches benutzten für ihre Werkzeuge Kupfer, vielleicht auch schon Zinnbronze, jedoch nicht Eisen. Und der Diamant läßt sich nun einmal, wie Fuss ja auch zutreffend festgestellt hat, nicht für das Alte Reich nachweisen. Man mag ihn vielleicht im ersten vorchristlichen Jahrtausend gekannt und benutzt haben - für das Alte Reich trifft das nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand in der Ägyptologie nicht zu.

2.    Außer acht gelassen wird auch, was der Lauf der Zeit mit technologischen Errungenschaften und dem Wissen darüber anstellen kann. Archäologen beobachten immer wieder, wie einstmals gängige, technische Fähigkeiten nach einem kulturellen Niedergang sehr schnell in Vergessenheit geraten, bis schließlich niemand mehr da ist, der diese Techniken erklären kann. Die Menschen stehen dann rätselnd vor den technischen Errungenschaften einer vergangenen Epoche und schreiben sie höheren Mächten zu. So etwas läßt sich beispielsweise in den Jahrhunderten nach dem Untergang des römischen Weltreiches beobachten (16). Kulturelle Niedergänge gab es in der Geschichte des alten Ägypten einige: Mit dem Ende des Alten Reiches brach die erste Zwischenzeit an, eine Zeit des Chaos, in der Gaufürsten versuchten, die Macht in Ägypten zu erlangen und es an einem starken, das Reich ordnenden Pharao fehlte. In dieser Zeit wurden beispielsweise die Pyramiden der 3. bis 6. Dynastie geplündert, schon allein um die mit den Aufständen einhergehende Wirtschaftskrise mit dem Gold der Pharaonen zu bekämpfen oder einfach die Gier nach Gold zu befriedigen. Wieviel Wissen in dieser Zeit verloren gegangen ist, läßt sich nur erahnen (17).

Dennoch hatte Fuss mit dem "Schamir" den Anhängern der Paläo-SETI einen Hinweis auf eine unverstandene, durch "Götter" (= Außerirdische) eingeführte Hochtechnologie angeboten. Erdogan Ercivan greift Fuss' Behauptungen in seinem Buch "Das Sternentor der Pyramiden" auf und kommt  zu dem aus pseudoarchäologischer Sicht klaren Befund (18):

"Somit kann das Rätsel um die Bohrlöcher als gelöst betrachtet werden."


II. Spuren von Atlantis?

Reste eines Architravs aus Rosengranit mit der vollen Titulatur des Königs Sahure - Beispiel meisterhafter Steinbearbeitung durch altägyptische Handwerker (Foto: Jon Bodsworth)

Unabhängig von den Anhängern der Paläo-SETI machte sich auch Graham Hancock Gedanken über die altägyptischen Kernbohrungen. In seinem Buch "Die Spur der Götter", in dem er eine Beeinflussung antiker Kulturen durch eine am Ende der Eiszeit untergegangene Hochkultur - er positioniert sie in der Antarktis - nachweisen möchte, wird von den Befunden W. F. Petries berichtet, die dieser bereits 1883 in seinem Klassiker "The Pyramids and Temples of Gizeh" veröffentlichte (19).

Petrie machte sich Gedanken über das Schneidematerial, das bei der Hartgesteinbearbeitung verwendet wurde. Seiner Überzeugung nach verwendete man Bronzewerkzeuge, als Schneidematerial kommen aber nur sechs Möglichkeiten in Betracht: Beryll, Topaz, Chrysoberyll, Korund, Saphir und der Diamant. Die Ausführung der Arbeiten würden auf den Diamanten als Schneidematerial hindeuten. Lediglich seine eingeschränkte Verfügbarkeit und die Tatsache, daß der Diamant in Ägypten nicht vorkomme, stehe dieser Vermutung im Wege, würden dafür sprechen, dass die alten Ägypter Korund als Schneidematerial verwendeten (20).
Über die Aushöhlung des Sarkophages in der Cheopspyramide - dieser besteht immerhin aus Granit - ist Hancock erstaunt, und wiederum zieht er seinen Gewährsmann Petrie zu Rate. Dieser schreibt, die Ägypter hätten das Sägeblatt zu einer Röhre gebogen, die dann durch Rotation eine kreisrunde Rille hinterlassen habe. Indem sie die Kerne, die in der Mitte dieser Rillen stehengeblieben seien, herausgebrochen haben, hätten die Ägypter mit einem geringen Arbeitsaufwand große Löcher ausbohren können (21). Petrie weise, so Hancock, darauf hin, dass man zwar nirgends Überreste edelsteinbesetzter Bohrer und Sägen gefunden habe, die sichtbaren Beweise ihn aber zu der Annahme zwängen, daß diese Werkzeuge einst existiert haben müssten. Jedoch sei Petrie davon so fasziniert gewesen, dass er sich weiter ausgiebig mit Hartgesteinbearbeitung befasst habe. So habe er von einem höchst erstaunlichen Druck berichtet, der aus der Geschwindigkeit spreche, mit der Bohrer und Sägen harte Gesteine durchdrungen hätten. Vermutlich habe ein Druck von mindestens einer Tonne auf den zehn-Zentimeter-Bohrern gelastet. Bei einem von ihm als "Bohrkern Nr. 7" bezeichneten Fundstück habe er festgestellt, dass die Schnittspirale pro 15 Zentimeter um verblüffende 2,5 Zentimeter sinke - so etwas könne nur von einem Bohrer herrühren, der unter großem Druck in den Granit eingedrungen sei (22).
Geschickt hat Hancock hier die Kausalität verdreht. Der Hinweis, man habe bislang keine Überreste der Werkzeuge finden können, findet sich am Ende des Kapitels "Mechanical Methods of the Pyramid Builders." Und Petrie gibt dafür sogar eine plausible Erklärung (23):

"That no remains of these saws or tubular drills have yet been found ist to be expected, since we have not yet found even waste specimens of work to a tenth of the amount that a single tool would produce; and the tools, instead of being thrown away like the waste, would be more carefully guarded. Again, even of common masons' chisels, there are probably not a dozen known; and yet would be far commoner than jewelled tools, and also more likely to be lost, or to be buried with the workmen. The great saws and drills of the Pyramid workers would be royal property, and it would, perhaps, cost a man his life if he lost one; while the bronze would be remelted, and the jewels reset, when the tools became worn, so that no worn-out to tools would be thrown away."

- Die Werkzeuge wurden vermutlich sorgfältig bewacht, anstatt weggeworfen;
- Selbst von ganz gewöhnlichen Meisseln waren zu Petries Zeit nicht einmal ein Dutzend bekannt. Dabei dürften diese Werkzeuge sehr viel zahlreicher gewesen sein als edelsteinbestückte Bohrer, und vermutlich weitaus eher verloren gegangen oder mit den Handwerkern bestattet worden sein;
- Die von Petrie vermuteten großen Sägen und Bohrer waren vermutlich Eigentum des Pharaos. Der Verlust eines Werkzeuges wurde möglicherweise mit dem Tode bestraft;
- Die Bronzewerkzeuge wurden, nachdem sie durch Gebrauch abgenutzt waren, vermutlich eingeschmolzen und die Edelsteine erneut verwendet. Kein abgenutztes Werkzeug sei demnach weggeworfen worden.

Auch wenn Hancock gerne ein Geheimnis daraus machen möchte: Für Petrie war die negative Fundlage seiner Zeit durchaus erklärbar. Und was schreibt Petrie über den Druck, mit dem Sägen und Bohrer in das Hartgestein getrieben wurden? Lesen wir nach (24):

"The amount of pressure, shown by the rapidity with which the drills and saws pierced through the hard stones, is very surprising; probably a load of at least a ton or two was placed on the 4-inch drills cutting in granite."

Propagiert Petrie damit eine unbekannte, antike Hight-tech, wie es Hancock suggerieren möchte? Mitnichten. Als Petries Buch 1883 erschien, war die moderne Technik des Kernbohrens nicht einmal 20 Jahre alt. Zum ersten mal gelang 1862 dem Schweizer Ingenieur G. Leschot eine moderne Kernbohrung, und zwar mit einem Stahlrohr und einer Bohrkrone aus Diamant (25). Petrie dürften diese Fakten bekannt gewesen sein, als er sich Gedanken darüber machte, wie die Ägypter ihre Kernbohrungen ausführten. Man merkt ihm in der Tat sein Erstaunen darüber an, welch hoher Druck möglicherweise auf die im Verhältnis dazu kleinen Bohrer ausgeübt wurde. Wie die Ägypter einen solchen Druck hätten erzeugen können und ob dies damals überhaupt erforderlich war, dazu äußert sich Petrie allerdings nicht. Das alles gibt Hancock Anlaß zu Spekulationen (26):

"Ist es nicht seltsam, dass die alten Ägypter vor mehr als 4500 Jahren - in der angeblichen Frühzeit der Zivilisation - bereits Bohrer kannten, die eine Tonne Druck und mehr ausübten und mit denen sie hartes Gestein wie Butter durchschnitten?"

Für Hancock wird daraus ein Mysterium, ein Geheimnis, ein weiteres Puzzlesteinchen für seine Suche nach einer längst vergessenen, untergegangenen eiszeitlichen Hochkultur, als deren Erbe Hancock die alten Ägypter ansah. Denn woher sonst, so der Tenor bei Hancock, hätten die Ägypter diese Fähigkeit haben können? Auf den Gedanken, dass sie diese Techniken selbst entwickelt haben, kommt er gar nicht (27).


III. Kritik

Reste der Außenverkleidung an der Cheops-Pyramide (Foto: Jon Bodsworth)
Giebel des Haupteinganges zur Cheops-Pyramide in Gizeh (Foto: Jon Bodsworth)

Die Behauptung, die altägyptischen Kernbohrungen stünden in Zusammenhang mit einer durch wie auch immer geartete Kulturbringer zur Verfügung gestellte High-Tech in Verbindung, rief natürlich nicht nur eifrige Befürworter, sondern auch Kritiker auf den Plan.

1994 verfasste Dr. Ernst Freyburg in der Zeitschrift G.R.A.L. einen kurzen Beitrag, der sich kritisch mit Sollner auseinandersetzt (28). Darin wird zunächst die Behauptung Sollners widerlegt, Petrie habe in "The Pyramids and Temples of Gizeh" die in Abusir vorhandenen Bohrlöcher beschrieben und skizziert. Dies trifft, so die Feststellung von Freyburg, nicht zu, denn die von Petrie beschriebenen Fundstücke stammen aus Gizeh bzw. Kom Ahmar und sind älter als die Bohrlöcher aus Abusir. Freyburg fasst dann die bereits oben zitierten Passagen aus Petries 8. Kapitel "The Mechanical Methods of the Pyramid Builders" zusammen und kommt zu dem Fazit (29):

"Es muß also festgestellt werden, daß die in Abusir vorhandenen Bohrlöcher nach Geometrie, Größe und Fundpunkt keinesfalls mit den von Petrie beschriebenen identisch sind. Er liefert außerdem plausible Erklärungen für den Zweck und das Zustandekommen 'seiner' Kernbohrungen. Zwangsläufig entfällt die Schlußfolgerung, in pharaonischer Zeit eine dem heutigen technischen Stand entsprechende Bohrtechnik suchen zu müssen."

Dann sucht Freyburg nach einer Erklärung für die Kernbohrungen von Abusir und kommt zu der erstaunlichen Feststellung, dass diese "sicherlich in der Gegenwart" vorgenommen wurden (30). Freyburg, Fachmann für Gesteinsuntersuchung, kommt zu dem für ihn naheliegenden, aber falschen Ergebnis, hier seien in moderner Zeit Bohrproben zur Gesteinsanalyse durchgeführt worden (31):

"Die Gewinnung allgemeiner gesteinsphysikalischer Daten wie Druckfestigkeit, Elastizitäsmodul etc. macht wenig Sinn, dazu hätte man frisches Steinbruchmaterial aus der Nähe von Aswan. Relevant wären allerdings entsprechende Meßwerte von Gesteinen nach jahrtausendelanger Freilagerung. Eine solche Vorgehensweise ist bei jedem Steinsanierungsprogramm wünschenswert. Zunehmende Schäden an ägyptischen Werksteinen (Sphinx !) machen derartige Untersuchungen notwendig, wobei nicht nur die anfälligeren Sand- und Kalksteine, sondern auch Hartgesteine wie Granit und Diorit eine Rolle spielen."

1995 griff Thomas Mehner das Thema Kernbohrungen auf und ging in der Zeitschrift SETI kritisch auf die Ausführungen Sollners und Freyburgs ein. Mehner, der selbst an der von Sollner beschriebenen AAS-Reise nach Ägypten teilnahm und ebenfalls die Kernbohrungen in Abusir besichtigen konnte, geht einen völlig anderen Weg als seine Kollegen und kommt zu dem für pseudowissenschaftliche Kreise erstaunlichen Ergebnis: Hinter den Kernbohrungen von Abusir steckt keine außerirdische Hochtechnologie, sondern ein Verfahren, das die alten Ägypter selbst entwickelten, dessen technische Einzelheiten wir allerdings noch nicht genau kennen (32). Mehner stützt sich in seiner Argumentation auf ein hierzulande nahezu unbekanntes Buch aus Skandinavien, das sich mit dem Stand des Wissens und des Könnens der alten Ägypter und anderer Kulturen im technischen Bereich befasst. Es handelt sich um das 1984 in Stockholm erschienene Buch "Teknik I Forntiden" von H. Kjellson und C. A. Mattson. Das Studium dieses Buches zeigte Mehner, daß die alten Ägypter sehr wohl Technologien beherrschten, die gewöhnlich erst für moderne Zeiträume in Ansprüche genommen werden. Diese Technologie aber, so Mehner im Einklang mit Kjellson und Mattson, hat nichts mit außerirdischer Hightech zu tun, sondern wurde von den Ägyptern selbst entwickelt und entsprach dem Standard ihrer Zeit. So haben sich die beiden Skandinavier beispielsweise auch mit der Frage des Schleif- bzw. Schneidematerials auseinandergesetzt, sie vermuten Beryll, Topas, Saphir, Diamant (bei der Bearbeitung von Diorit) oder, ersatzweise, Korund (33). Auch über die Konstruktion der Bohrmaschinen machten sich die skandinavischen Forscher ihre Gedanken: Wurden die großen Bohrlöcher vielleicht nach der Art eines Göpels mit Hilfe von Eseln in das Gestein getrieben? Wie konnten die alten Ägypter den für Kernbohrungen in Hartgestein erforderlichen Druck erzeugen? Vielleicht mit einem am oberen Ende der Welle angebrachten sehr schweren Stein - aber ist dann der Bohrer noch zu handhaben gewesen? (34) Die Edelsteine scheinen es Kjellson, Mattson und mit ihnen Mehner angetan zu haben:

"Zweifler werden nun abschließend fragen, wie die Kernbohrer, deren Trägermaterial mit großer Sicherheit Bronze war, nun mit Diamanten bestückt wurden. (35) Dazu hätte es doch eines High-Tech-Klebstoffes bedurft, oder ...? Irrtum. Die Bestückung der Bohrerkanten mit Diamanten oder anderen Edelsteinen (ähnliches gilt prinzipiell auch für Steinsägen) war grundsätzlich kein Problem. Bronze als Fassung eignet sich dafür ausgezeichnet, und die Arbeit entsprach der von Goldschmieden. Im Ägypten der Pharaonen war die Goldschmiedekunst bereits früh sehr hoch entwickelt. Darüber gibt es keinerlei Zweifel. Zu bewundern ist das Aufbringen von beispielsweise 0.8 mm starken Edelstein'splittern' auf noch etwas dünneren Kanten. Das war eine erstaunliche Präzisionsarbeit, die nicht nur einer ruhigen Hand bedurfte.(36)"

Möglicherweise wurden Edelsteine, insbesondere der Diamant, im Neuen Reich oder der Spätzeit genutzt, für das Alte Reich aber lassen sie sich archäologisch nicht nachweisen (37). Trotz dieses Mankos schließt Mehner seine Ausführungen mit einer plausiblen Feststellung (38):

"Meiner Meinung nach gibt es durchaus einige deutliche Hinweise, die die technische Anwendung von Kernbohrungen dokumentieren. Daß es keine Überreste der benutzten Bohrmaschinen gibt, ist so verwunderlich nicht. Das aus dem Libanon beschaffte Bau- und Konstruktionsholz, die Bronze, die Diamanten und sonstigen Schneidematerialien waren wertvoll. Eine weitergehende Verwendung war vonnöten.(39) Verschwendung konnte man sich auch schon damals nicht leisten. Die in Abusir gefundenen Kernbohrungen sind also durchaus zu pharaonischer Zeit möglich gewesen. Zu ihrer Erklärung bedürfen wir weder einer überlegenen außerirdischen Technologie noch der Deutung, diese Fragmente stammen aus moderner Zeit. Ein Volk, daß die für uns Heutigen teilweise immer noch unbegreiflich erscheinenden Pyramiden errichtete, wird wohl auch mit dem Problem der Kernbohrungen weitaus leichter fertig geworden sein, als wir uns das heute allgemein vorstellen können ..."


1996 erschien in "Ancient Skies", der Mitgliederzeitschrift der A.A.S., der Beitrag "Spurensuche im Schatten der Pyramiden" von Michael Haase. Darin befasst sich Haase auch ausführlich mit den Kernbohrungen in Abusir und bietet den Lesern von "Ancient Skies" plausible, auf ägyptologischer Grundlage beruhende Erklärungen für dieses Phänomen an. Zusammenfassend lässt sich aus ägyptologischer Sicht feststellen (40):

1. Es handelt sich um zum Teil mehr als 4000 Jahre alte Bohrlöcher.

2. Ihre Funktion: Sie waren Riegellöcher für die Türen des Totentempels der Sahure-Pyramide in Abusir.

3. Die Bohrungen wurden mit hoher Perfektion ausgeführt.

4. Ihre Struktur ähnelt denen moderner Kernbohrungen: Rillenmuster auf den Seitenwänden, ein stehengelassener Bohrstumpf, umgeben von einer Bohrrille.
5. Kernbohrungen lassen sich bis in die 3. Dynastie zurückverfolgen.

6. Die Ägypter verfügten über sehr genaue und differenzierte Materialkenntnisse, die derartige Steinbearbeitungen erlaubten.

 

Die Kernbohrbefunde in Abusir hängen in technologischer und praktischer Ausführung eng mit den Methoden altägyptischer Gefäßbearbeitung zusammen. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf die verwendete Technik ziehen: Vermutlich benutzten die Ägypter eine Art zylindrischer "Rohrbohrer" aus Kupfer. Nach dem Wissenstand der Ägyptologie stand den Ägyptern als Schneide- bzw. Schleifmaterial kristalliner Quarz zur Verfügung.
Haase geht auch der Frage nach, ob die Technologie der einfach anmutenden Werkzeuge, die bei der Gefässbearbeitung verwendet wurden, auch für die Bohrungen in Abusir anwendbar waren. Heutzutage gehe man derartigen Bohrungen von einem "Bohrpressdruck" in der Größenordnung von etwa zwei Tonnen aus (41). Bestanden die Bohrer wirklich nur aus Kupfer, und wurde wirklich nur Quarz als Schneidematerial genutzt? Spiralförmige Kratzer- und Rillenbildungen an den Wänden der Bohrungen weisen darauf hin, dass möglicherweise mit einem mechanisch oder metallurgisch auf einem Bohrkopf aufgesetzten Schneidematerial gearbeitet wurde (42). Welches Material hätten die Ägypter dafür verwenden können? Haase diskutiert die auch in der Fachliteratur (43) angesprochene Frage, ob möglicherweise Diamanten als "Schneidematerial" benutzt wurden, verwirft dies aber, da es weder archäologische noch philologische Hinweise auf die Verwendung des Diamanten im alten Ägypten gibt (44). Gab es mögliche Alternativen zum Diamanten? In Betracht kämen Korund und Smaragd. Korund läßt sich allerdings erst in hellenistischer Zeit nachweisen. Smaragd dagegen war den alten Ägyptern bekannt, doch zweifelt Haase, ob man ihn für Kernbohrungen benutzte, da er wohl nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stand (45).
Damit war auch klar, was sich hinter den altägyptischen Kernbohrungen verbarg: Ein Verfahren, bei dem während des Bohrens mit einem Röhrenbohrer ein zylindrischer Kern aus dem Stein gebohrt wurde. Anschließend wurde der Bohrkern herausgebrochen, am Bohrgrund verblieb ein deutlich sichtbarer runder Stumpf (46). Mit seinen Argumenten hat Haase der pseudoarchäologischen Spekulation über außerirdische Highttech-Kernbohrungen endgültig jegliche Grundlage entzogen (47).


IV. Theoretische und praktische Forschungen

Der Sarkophag des Cheops in der Königskammer - ein Beispiel altägyptischer Hartgesteinbearbeitung. Foto: Jon Bodsworth

In Ägypten finden sich überall Hinweise auf die hervorragenden Fähigkeiten der alten Ägypter, Gestein unterschiedlicher Härtegrade durch Bohrungen zu bearbeiten (48). Über ein Jahrhundert der Forschung, die mit W.F. Petrie ihren Anfang nahm, offenbarte ein eindeutiges Bild von der altägyptischen Kernbohrtechnik (49).

Um Kernbohrungen ausführen zu können, braucht man Bohrgeräte. Hier sieht die Fundlage trübe aus, ein Umstand, der schon Petrie aufgefallen war (50). Anhand von Reliefdarstellungen lassen sich jedoch zwei Arten von Bohrgeräten rekonstruieren: Der Drill- oder Fidelbogenbohrer auf der einen und der Kurbelbohrer auf der anderen Seite. Der Drillbohrer besteht aus einer Triebstange mit Bohrkopf und Bohrkappe sowie dem Bogen, dessen Band um den Bogen geschlungen wird. Wird der Bogen bewegt, rotiert der Bohrer. Dieser Bohrertyp wurde zur charakteristischen Hieroglyphe für die allgemeine Bezeichnung von ”Handwerk” und ”Handwerker” (51). Für die Triebstange gab es zwei Konstruktionsmöglicheiten. Zum einen benutzte man eine Triebstange, die am unteren Ende gegabelt war, um entweder einen Bohrkopf aus Feuerstein oder aber einen eingepassten Kupferzylinder aufzunehmen. Als zweite Möglichkeit wurde der Kupferzylinder direkt auf die Triebstange aufgepropft.  Ergänzt wurde das Werkzeug durch einen aufgelegten Gewichtsstein oder eine Schwungscheibe, an der die Gewichtssteine befestigt waren.
Das Metall Kupfer war nicht gerade optimal für Werkzeuge, denn die Abnutzung war hoch. Für die Herstellung von Werkzeugen wie Bohrzylindern oder Meißel benutzten die Ägypter daher vermutlich gehärtetes Kupfer. Kupfer konnte durch Hämmern, Glühen und Abschrecken zu einer passablen Härte gebracht werden, die dann für die Bearbeitung von Hartgestein ausreichend war. Optimaler waren Werkzeuge aus Bronze. Dieses Metall war im Alten Reich unbekannt, doch verwendeten die ägyptischen Handwerker gegen Ende des Alten Reiches vermutlich Zinnbronze, was bereits eine Verbesserung gegenüber Kupfer dargestellt hätte (52).

Ein geeignetes Werkzeug alleine reichte nicht aus, damit sich der Bohrer in das Gestein einschneiden konnte. Erforderlich war ein Schleifmittel aus pulvrigem Material, das während des Bohrvorganges zugefügt wurde.  Woraus dieses Material bestand, war lange Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion. Heute gehen die Wissenschaftler davon aus, dass es sich bei dem Schleifmittel um Quarzsand handelte. Dieser war in großen Mengen günstig verfügbar und er war geeignet dazu, Diorit und Quarz, die härtesten von den Ägyptern bearbeiteten Gesteinsarten zu schleifen (53).  Praktisch wurden Kernbohrungen häufig zur Gefäßherstellung eingesetzt, wie dies auch zahlreiche Grabreliefs belegen, andererseits aber auch für Bohrungenbeim Bau von Tempeln und bei der Herstellung von Steinsarkophagen (54).
Eine Bestätigung erhielt die wissenschaftliche Theorie durch praktische Versuche. Denys A. Stocks aus Manchester geht seit 25 Jahren der Frage nach, wie im alten Ägypten und in Mesopotamien Kernbohrungen durchgeführt wurden. Seit 1986 veröffentlicht er seine Forschungsergebnisse, zunächt in ”Popular Archaeology”, später in der in Oxford erscheinenden Zeitschrift ”Antiquity”. Stocks hat mit rekonstruierten Werkzeugen inzwischen zahlreiche Experimente vorgenommen und konnte Ergebnisse der theoretischen Forschung bestätigen und neue Erkenntnisse gewinnen.  Ein Bohrexperiment, das Stocks 1999 mit einem Drillbohrer an Rosengranit in Assuan durchführte, ist von besonderem Interesse.  Das Ziel dieses Experiments war es, seine Theorie zu belegen, dass für Bohrungen in Granit nur kleine Gruppen von zwei oder drei Handwerker nötig waren.  Für das Experiment verwendete Stocks einen kupfernen Bohrzylinder mit einem Durchmesser von acht Zentimetern, eine hölzerne Triebstange, auf der der Bohrzylinder aufgepropft war, ein Bogen mit Seil zum Antrieb des Bohrers. Als Gewicht diente ein Stein aus Sandstein. Angetrieben werden sollte der Bohrer von drei einheimischen Handwerkern: Je ein Arbeiter an jedem Ende des Bogens zum Antrieb des Bohrers, während der dritte Mann den Gewichtsstein hielt (55).
Als erster Arbeitsschritt wurde mit einem Hammer aus Dolerit eine Fläche auf dem Granitblock eingeebnet und mit Hilfe des Bohrzylinders eine Markierung auf der Fläche gemacht. Diese wurde dann vertieft, so dass der Bohrzylinder positioniert werden konnte, um den Bohrvorgang zu starten. Gebohrt wurde sowohl im als auch gegen den Uhrzeigersinn, wobei als Schleifmittel trockener Sand beigefügt wurde.  Es wurden 250 Gramm Schleifmaterial verbraucht, um einen Kubikzentimeter Stein aus dem Granit herausbohren zu können (56). Wie das Schleifmittel beim Bohrvorgang wirkte, beschrieb schon 1912 Uvo Hölscher (57):

”Wenn sich nun ein scharfes Schmirgelkorn seitlich in das weiche Kupfer der Krone eingedrückt hat und nun mit rundum gerissen wird, so schneidet es eine schwache Rille in das Gestein, welche bei den folgenden Umdrehungen von demselben Korne vertieft wird, bis entweder das Korn aus seiner Fassung springt oder zermalmt wird, oder aber bis der Bohrer aus dem Loch gezogen wird, damit man das Bohrmehl beseitigt.”

Das von Stocks in Assuan ausgebohrte Loch verjüngte sich in Richtung des Bodens, wobei der Bohrzylinder einen Bohrkern ausbohrte, der an der Spitze schmaler war als an seinem unteren Ende. Der Bohrkern wurde durch zwei in den Spalt zwischen Kern und Wand des Bohrloches nebeneinander platzierte Meißel in einem Stück herausgebrochen. Insgesamt konnte durch das Dreimann-Team in 20 Stunden ein sechs Zentimeter tiefes Loch ausgebohrt werden (58).
Stocks Experiment hat gezeigt, dass die alten Ägypter mit vergleichsweise primitiver Technik in der Lage waren, Kernbohrungen im großen Umfange auszuführen. Dieses und weitere Experimente von Stocks haben gezeigt, dass sich Gefäßherstellung und das Ausbohren von Riegellöchern für Tempeltüren nicht wesentlich voneinander unterschieden (59).
Wie die Werkstätten aussahen, an denen Kernbohrungen vorgenommen wurden, lässt sich anhand eines Fundes in Hierakonpolis rekonstruieren. Dort fanden Archäologen eine kleine, für ein oder zwei Handwerker ausgelegte Steingefäßwerkstatt. Der einzige Raum der Werkstatt wurde mit einer 80 Zentimeter hohen, umlaufenden Bank aus festgestampfter Erde versehen, darin gab es zwei Ausbuchtungen mit je einer schalenförmigen Runden Vertiefung. In diesen Vertiefungen fand man Teile von Steinbohrern, und am Fuß der Bank wies man Sand nach, der offenbar als Schleifmittel verwendet wurde. Vermutlich wurde das Werkstück in die Vertiefung der Bank gelegt und hatte so einen festen Stand, wenn der Handwerker von oben her mit dem Bohrer Druck ausübte (60).
Betrachtet man sich die Zeit, die Denys Stocks für das Ausbohren eines sechs Zentimeter tiefen Loches mit einem Team von drei Handwerkern benötigte, so zeigt sich, dass der Zeitaufwand erheblich war, verglichen mit heutigen Standards. Wie konnten die alten Ägypter dann rechtzeitig ihre Arbeiten fertig stellen? Es ist falsch, unsere heutige zeitliche und arbeitstechnische Rentabilität auf das alte Ägypten zu übertragen,denn Arbeitskräfte standen den Pharaonen uneingeschränkt und dauerhaft zur Verfügung (61). Und in zeitlicher Hinsicht war es sicher nicht ungewöhnlich, wenn zwei oder drei Handwerker zum Ausbohren eines tiefen Loches mindestens eine Woche, wenn nicht noch mehr benötigten. Aus heutiger Sicht mag das unrentabel erscheinen, damals war es völlig normal.


V. Fazit

Als Fazit bleibt festzuhalten: Kernbohrungen im alten Ägypten wurden weder mit Hilfe einer von Außerirdischen eingeführten High-Tech durchgeführt, noch gibt es Anhaltspunkte auf technische Entwicklungshilfe durch eine längst verschollene, hochentwickelte Eiszeitkultur. Es steht eindeutig fest: Die Kernbohrungen in Abusir und andernorts sind eine eigenständige Leistung der alten Ägypter. Detailfragen technischer Art sind noch durch die Forschung zu klären, doch diese Aufgage obliegt den Ägyptologen und der experimentellen Archäologie.

 

Der Text basiert weitgehend auf den Beiträgen "Auf den Spuren der Hemutiu" (Sokar 3),  "Kernbohrungen im alten Ägypten - Präzision auch ohne High-Tech" (Skeptiker 2/2004) und "Kernbohrungen im alten Ägypten"  (MegaLithos 1/2003).

 


Anmerkungen zum Text

(1)    So beispielsweise bei William M. Flinders Petrie, The Pyramids and Temples of Gizeh, London 1883, S. 173; Uvo Hölscher, Das Grabdenkmal des Königs Chephren (= Veröffentlichungen der Erns von Sieglin-Expedtion Band 1), Leipzig 1912, S. 77 -79; Adolf Rieth, Zur Technik des Bohrens im alten Ägypten, in: Mitteilungen des Instituts für Orientforschung Band VI, Berlin (Ost) 1958, S. 176 - 186; A. Lucas, J.R. Harris, Ancient Egyptian Materials and Industries, 4. Auflage London 1962, S. 65 - 74; Dieter Arnold, Building in Egypt, New York 1991, S. 47 - 52; Michael Haase, Das Feld der Tränen, München 2000, S. 192 - 196. Bei Kernbohrungen handelt es sich um ein Verfahren, bei dem während des Bohrens der Kern des Gesteins erhalten bleibt, nur die Ränder um diesen Kern herum weggebohrt werden.
(2)    Erich von Däniken, Die Augen der Sphinx, München 1989, siehe z.B. S. 183.
(3)    Eines dieser angeblichen Rätsel soll sich in Abydos befinden, und zwar im Tempel Sethos I. (19. Dynastie, ca. 1304 - 1290 v. Chr.). Diese Inschriften werden in einigen pseudowissenschaftlichen Abhandlungen als Belege für eine Hochtechnologie angesehen, man erkenne dort ein U-Boot, einen Hubschrauber oder einen Panzer (so R. Müller, H.W. Sachmann, Merkwürdige Hieroglyphen im Sethos-Tempel von Abydos, Ancient Skies 4, 1991, S. 8-9; P. Krassa, R. Habeck, Das Licht der Pharaonen, München 1992; T. Mehner, Faszination Ägypten, Cheops 2, 1992, S. 40 - 45; Erdogan Ercivan, Das Sternentor der Pyramiden, 3. Auflage, München 2000). Genauere Untersuchungen bestätigten diese Behauptungen aber nicht, es handelt sich vielmehr um Inschriftenteile, die zu Königstitularien Sethos I. und Ramses II. gehören (vgl. Michael Haase, Geheimnisvolle Hieroglyphen, G.R.A.L. 2, 1992, S. 24 - 28).
(4)    Dort befindet sich die Überreste der Pyramiden aus der 5. Dynastie sowie die Sonnenheiligtümer der Pharaonen Niuserre und Userkaf (vgl. Mark Lehner, Geheimnis der Pyramiden, München 1999; Michael Haase, Im Zeichen des Re, München 1999). A.A.S. = Forschungsgesellschaft für Archäologie, Asronautik und SETI, vormals AAS (Ancient Astronaut Society). Die Reise selbst fand im Mai 1992 statt (Mehner, Kernbohrungen in Abusir, SETI 2/95, S. 25).
(5)    Christian Sollner, In Abusir stimmt etwas nicht, in: Erich von Däniken (Hrsg.), Fremde aus dem All, München 1995, S. 125 - 128. Nach Sollner handelt es sich bei den von ihm in Augenschein genommenen Steinbrocken um Diorit (S. 126).
(6)    Sollner, S. 126 f.
(7)    So stellt Sollner auf S. 128 Fragen, die er sich bei genauer Betrachtung bspw. der unter Anm. 1 genannten Literatur hätte selbst beantworten können. So aber wird ein Mysterium daraus gemacht.
(8)    Erich von Däniken, Auf den Spuren der Allmächtigen, München 1993, S. 33.
(9)    Lehner, Pyramiden, S. 210.
(10)    Fuss, Abusir, S. 373 - 380; hier S. 375.
(11)   Haase, Spurensuche im Schatten der Pyramiden, Ancient Skies 5/1996, S. 12 - 15; Erbe der Götter, S. 366 - 372.
(12)    Fuss, a.a.O. Auch dies ist ein Bezug auf den Beitrag von Haase, dessen Aussage Fuss ohne Beleg übernimmt. Zur Frage, ob Diamanten im Alten Reich verwendet wurden, vgl. M. Haase, Feld der Tränen, S. 193 f.
(13)    Fuss, S. 376.
(14)    Fuss, a.a.O.; Fuss zitiert hier für den hebräischen Ursprung des Begriffes "Schamir" aus dem Hebräischen Wörterbuch von Kautsch und Senius, ohne jedoch eine nähere Quellenangabe zu machen. Und für die Bedeutung von Schamir als Diamant in der Bibel stützt sich Fuss auf Demant, ohne jedoch auch hier eine nähere Quelle anzugeben. In Jeremia 17, 1 steht in der Tat: "Die Sünde Judas ist geschrieben mit eisernem Griffel und mit diamantener Spitze gegraben auf die Tafel ihres Herzens und auf die Hörner an ihren Altären." (Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers, Stuttgart 1972).
(14a)    Die ältesten biblischen Texte stammen aus dem späten 7. Jahrhundert v. Chr. (Finkelstein/ Silberman, S. 35, S. 137 f.). Der Talmud ist sogar noch später entstanden: Er ging aus der ”Mischna” des Jehuda ha-Nasi hervor, der an der Wende vom 1. zum 2. Jahrhundert n. Chr. in Sepphoris lebte und die im 3. Jahrhundert n Chr. zum Talmud verfeinert wurde (Harris, S. 161).
(15)    Ein Beispiel ist das in der Paläo-SETI übliche Heranziehen von antiken und mittelalterlichen Quellen zur Erklärung des Pyramidenbaus, so z.B. Herodot oder die arabischen Chronisten. Daß diese aus einem Abstand von mehreren Jahrtausenden schrieben und sich auf unzureichende Quellen verliessen oder einfach nur Erklärungen erfanden, spielt dabei keine Rolle (vgl. dazu Lehner, Pyramiden, S. 40 f.; Stadelmann, Pyramiden, S. 264 ff.). Zur Geschichte der jüdischen Kultur vgl. Roberta L. Harris, Das Zeitalter der Bibel, Düsseldorf 1995. Estmals schriftlich erwähnt wird Israel auf einer Stele im Totentempel des Pharao Merenptah, dem Nachfolger Ramses II. (19. Dynastie, nach Thomas Schneider, Lexikon der Pharaonen, 2. Auflage, Düsseldorf 1997, zw. 1213 und 1204 v. Chr.): "Alle Fürsten haben sich niedergeworfen und rufen 'Schalom.' Nicht einer erhebt sein Haupt unter den Neunbogenvölkern. Verwüstet ist Tjehenu, Hethitien ist befriedet, geplündert ist Kanaan mit allem Übel, genommen ist Askalon, gepackt ist Gezer, Yenoam ist gemacht zu dem, was nicht ist, Israel liegt brach, es hat keinen Samen ..." (zitiert nach Kent Weeks, Ramses II. - Das Totenhaus der Söhne, München 2001, S. 203). Das ist 1000 Jahre später als der Bau der Pyramiden des Alten Reiches.
(16)    So beispielsweise in Baalbek, wo bereits kurz nach Untergang des römischen Reiches niemand mehr eine plausible Erklärung für die enorme technische Leistung römischer Ingenieure hatte (vgl. Jörg Dendl, Die 'Terrasse' von Baalbek und ihre Geheimnisse, G.R.A.L. 2/1996; ders.: Die 'Terrasse von Baalbek' und ihre Geheimnisse: eine realistische Abschätzung, in: Ancient Skies 4/1996). Ähnliches läßt sich auch an der Wende zum 1. vorchristlichen Jahrtausend beobachten: Der Niedergang der mykenischen und minoischen Kultur führt dazu, dass Errungenschaften dieser Zivilisationen in Vergessenheit gerieten und erst wieder ab dem 7. Jahrhundert in Griechenland neu entdeckt wurden (Michael Wood, Der Krieg um Troja, Frankfurt 1985).
(17)    Eine gute Darstellung der Wirren in der 1. Zwischenzeit findet sich bei Haase, Im Zeichen des Re (vgl. Anm. 4). Über die wechselvolle Geschichte Ägyptens bis zur Eroberung durch die Römer berichten zahlreiche Sachbücher, so unter anderem "Ägypten - Die Welt der Pharaonen" (hrsg. von R. Schulz u. M. Seidel), Köln 1997; Christian Jacq, Die Pharaonen, Hamburg 1999.
(18)    Ercivan, Sternentor, S. 145.
(19)    Hancock, Spur der Götter, S. 362 ff.; Hancock verweist auf das Kapitel 8 bei Petrie ("The Mechanical Methods of the Pyramid Builders"), siehe Gizeh, S. 74 - 79. Interessanterweise - und typisch für die Pseudowissenschaften - beruft sich Hancock ausschließliich auf Petrie, ohne auf spätere Autoren wie Hölscher oder Lucas/Harris und die von diesen in die Diskussion eingebrachten Anregungen einzugehen.
(20)    Petrie, Gizeh, S. 74. Hancock erwähnt Petries Hinweis auf den Korund gar nicht. Ablehnend zu Petries Edelsteinthese: Hölscher, Chephren, S.78. Heute geht man davon aus, dass die Bohrer aus Kupfer waren (vgl. Lauer, Pyramiden, S. 243; Lucas/Harris, S. 67; Arnold, Lexikon der ägyptischen Baukunst, S. 42 f.; ders., Building in Egypt, S. 265 (hier aber auch Bronze); Rieth, MIO 1958, S. 178; Hölscher, Chephren, S. 78). Möglicherweise aber konnte man im Alten Reich bereits Zinnbronze herstellen (vgl. Klemm/Eichler, MDAIK 54, S. 247).
(21)    Petrie, Gizeh, S. 76. Petrie gibt auch die Größe der Bohrer ("drills") an: Sie variierten in einer Größe von 0.25 bis 5 inch im Durchmesser, und in ihrer Dicke von 1/30 bis 1/5 inch (ebd.).
(22)    Hancock, Spur der Götter, S. 363.
(23)    Petrie, Gizeh, S. 78.
(24)    Petrie, Gizeh, S. 78. Diese Aussage trifft Petrie vor seiner Feststellung, dass Sägen und Bohrer bislang (1883) nicht gefunden wurden.
(25)    Sasse/Haase, S. 217. Sasse/Haase gehen unter Verwendung von Petries Behauptung von einem Anpressdruck von 2 Tonnen aus. Sasse hat sich in seinen Recherchen auf Petrie bezogen, übernimmt damit das Missverständnis Petries. Die Anpresskraft für die Bohrkrone betrug etwa 2000 N (= 200 kp). Eine Krone mit 8 und 12 Diamanten hat eine Anpresskraft von 50 - 70 kp (Mitteilung der Hilti-AG).
(26)    Hancock, ebd.
(27)    Hancock geht von einer einstigen Hochkultur in der Antarktis aus, die durch eine plötzliche Verlagerung dieses Kontinents regelrecht im Eis erstickt sei. Flüchtlinge dieser Kultur hätten, so Hancock, die alten Zivilisationen in Ägypten, Mittel- und Südamerika inspiriert. Hancock zitiert als Beleg für seine Behauptung geologische Literatur aus den 50er Jahren, die zwischenzeitlich längst widerlegt wurde (Hapgood). Im übrigen passt es ins Bild, das die Pseudowissenschaften bieten, wenn Völkern der Antike ihre eigenen Leistungen abgesprochen werden, um sie anderen "Kulturbringern" zuzuordnen, seien es nun Angehörige einer vergessenen irdischen Hochkultur oder Außerirdische.
(28)    Freyburg, Gesteinsbohrungen, G.R.A.L. 5/94, S. 208 - 209.
(29)    Freyburg, Gesteinsbohrungen, G.R.A.L. 5/94, S. 209.
(30)    Freyburg, ebd.
(31)    Freyburg, ebd.
(32)    Mehner, Kernbohrungen in Abusir, SETI 2/95, S. 26, 28.
(33)    Mehner, Kernbohrungen in Abusir, SETI 2/95, S. 27.
(34)    Mehner, Kernbohrungen in Abusir, SETI 2/95, S. 28.
(35)    Hier spricht doch eher mehr für Kupfer- als für Bronzebohrer, auch wenn es Hinweise auf die Herstellung von Zinnbronze gibt (vgl. Klemm/Eichler, MDAIK 54, S. 247).
(36)    Mehner, Kernbohrungen in Abusir, SETI 2/95, S. 28.
(37)    Haase, Cheops, S. 162 f.
(38)    Mehner, ebd.
(39)    Entgegen Mehners Behauptung findet man noch im Inneren der Pyramide von Meidum Zedernholzbalken aus der Zeit der Erbauung der Pyramide unter Pharao Snofru.
(40)    Haase, Spurensuche im Schatten der Pyramiden, Ancient Skies 5/1996, S. 12 - 15.
(41)    Dieser Anpressdruck ist zu hoch angesetzt. Bereits Petrie ist an dieser Stelle ein Irrtum unterlaufen (vgl. Anm. 25). Offensichtlich hat Haase diesen Irrtum bemerkt, da er in seinen Büchern nicht mehr auf diesen zu hohen Anpressdruck eingegangen ist.
(42)    Die Idee, die alten Ägypter hätten möglicherweise aufgesetztes Schneidematerial benutzt, stammt von Petrie: "The typical method of working hard stones, such as granite, diorite, basalt, etc. - was by means of bronze tools; these were set with cutting points, far harder than the quartz which was operated on. The material of these cutting points is yet undetermined; but only five substances are possible - beryl, topaz, chrysoberyl, corundum or sapphire, and diamond (Gizeh, S. 74)." Lucas/Harris weisen darauf hin, daß die vorliegenden Befunde weniger für Petries "fixed cutting points" sprechen als vielmehr für die Verwendung eines pulvrigen Schleifematerials (Lucas/Harris, S. 71). Unklar ist, was als Schleifmaterial verwendet wurde. So geht Hölscher (Chephren, S. 78) beispielsweise von der Verwendung von Schmirgel aus. Lucas/Harris weisen auf ein Bohrloch in Alabaster hin, das aus der 3. Dynastie stammt und in Saqqara gefunden wurde. Hier habe man deutliche Spuren von Schleifmaterial nachweisen können: Quarzsand. Auch Spuren von Kupfer wurden gefunden.  Das läßt darauf schließen, daß der Bohrer aus Kupfer bestand (Lucas/Harris, S. 74). Allerdings weist Hölscher darauf hin, daß es sich bei Alabaster um weicheres Gestein handelt, bei dem man statt Schmirgel (dem von ihm propagierten Schleifmaterial) Sand genommen habe (Hölscher, Chephren, S. 78, Anm. 1). Ob sich mit dem Befund von Lucas/Harris auch die Bohrungen in Abusir erklären lassen, ist fraglich: Hier wurde in Granit und Diorit gebohrt, weitaus härteres Gestein als Alabaster !
(43)    Beispielsweise Arnold, Building in Egypt, S. 265; Lucas/Harris, S. 69 f.
(44)    Haase, Spurensuche im Schatten der Pyramiden, Ancient Skies 5/1996, S. 14 f.
(45)    Haase, Spurensuche im Schatten der Pyramiden, Ancient Skies 5/1996, S. 15. Auf die Verfügbarkeit von Schneide- bzw. Schleifmaterial und die hohe Zahl von Kernbohrungen wird in der Literatur immer wieder hingewiesen, vgl. Petrie, Gizeh, S.74; Arnold, Building in Egypt, S. 265; Lucas/Harris, S. 74.
(46)    Richter, Sokar 3, S. 29.
(47)    Das hindert die Vertreter der Paläo-SETI nicht daran, weiterhin einen Zusammenhang zwischen altägyptischen Kernbohrungen und außerirdischen Besuchern zu propagieren. Das zeigen nicht nur neuere Veröffentlichungen (vgl. Ercivan, Pyramiden, S. 145; ders., Ägyptologie, S. 238 - 241; Bergmann/Rothe, S. 79 f. ), sondern auch immer wieder aufflammende Diskussionen auf Internetforen. Dem liegt, so scheint es, die schwer nachvollziehbare Bemühung zugrunde, unseren Vorfahren vor 4500 Jahren die Fähigkeiten zu hervorragender Steinbearbeitung abzusprechen und sie zu unerfahrenen Steinzeitmenschen zu degradieren, die willige Empfänger eines außerirdischen Cargokultes waren.
(48)    Beispiele altägyptischer Kernbohrungen finden sich nicht nur in Abusir, sondern auch in Gizeh, Sakkara, Tanis oder Bubastis. Ein Beispiel für den kombinierten Einsatz von Kernbohrung und Sägen ist der Sarkophag des Cheops in der Königskammer der Cheops-Pyramide (Richter, Sokar 3, S. 35).
(49)    Zusammenfassend bei Richter, Sokar 3, S. 29 - 31.
(50)    Petrie, Gizeh, S. 78.
(51)    Stichwort "Bohrer", Lexikon der Ägyptologie, Band 1, S. 845 - 846. Zur Rekonstruktion altägyptischer Bohrer vgl. auch Sauerbier, Sokar 5, S. 44.
(52)    Richter, Sokar 3, Anm. 4; Zur Zinnbronze: Klemm/Eichler, S. 247 f.
(53)    Lucas/Harris, S. 73; Arnold, Lexikon, S. 43.
(54)    Stocks, Antiquity 73, S. 918 - 922.
(55)    Stocks, Antquity 75, S. 92 f.
(56)    Stocks, ebd.
(57)    Hölscher, S. 78 f. Eine ähnlich plastische Beschreibung liefert Hans Bonnet (S. 13): "Beim Bohrprozeß selbst legte man scharfen Sand unter, der durch die Drehung des Bohrers in kreisförmige Bewegung gesetzt wurde und so an den Wänden des Gefäßes, aber natürlich auch am Bohrkopf selbst rings umlaufende Rillen zurückließ. Diese Rillen hat man nicht selten stehen lassen (...); sie verlaufen ziemlich gleichmäßig, der von dem untersten Bohrring umschlossene Teil des Bodens ist im allgemeinen gleichmäßig gewölbt; gelegentlich springt er aber in Form eines kurzen konischen Zapfens vor (...); seltner läuft er nach unten spitz aus (...)." Bonnet bezieht sich hier zwar auf die Ausbohrung von Gefäßen, doch unterscheidet sich dieser Vorgang technisch nicht von einer Ausbohrung für ein Tempeltor oder in einem Steinsarkophag.
(58)    Stocks, ebd.
(59)    Vgl. Stocks, PA 7 (4), S. 14 - 18
(60)    Schmitz, S. 31 f.
(61)    Haase, Feld der Tränen, S. 193.


Literatur

  • Dieter Arnold, Lexikon der ägyptischen Baukunst, Düsseldorf 2000.
  • Dieter Arnold, Building in Egypt, New York 1991.
  • Hans Bonnet, Ein frühgeschichtliches Gräberfeld bei Abusir, Leipzig o.J.
  • Jörg Dendl, Die 'Terrasse' von Baalbek' und ihre Geheimnisse, G.R.A.L. 2/1996.
  • Israel Finkelstein/ Neil A. Silberman, Keine Posaunen vor Jericho, München 2003.
  • Ernst Freyburg, Rätselhafte Gesteinskernbohrungen in Abusir?, G.R.A.L. 5/1994, S. 208 - 209.
  • Michael Haase, Geheimnisvolle Hieroglyphen, G.R.A.L. 2, 1992, S. 24 - 28.
  • Michael Haase, Spurensuche im Schatten der Pyramiden, Ancient Skies 5/1996, S. 12 - 15.
  • Michael Haase, Spurensuche im Schatten der Pyramiden, in: Erich von Däniken (Hrsg.), Das Erbe der Götter, München 1997, S. 366 - 372.
  • Michael Haase, Das Rätsel des Cheops, München 1998.
  • Michael Haase, Im Zeichen des Re, München 1999.
  • Michael Haase, Das Feld der Tränen, München 2000.
  • Roberta L. Harris, Das Zeitalter der Bibel, Düsseldorf 1995.
  • W. Helck, E. Otto (Hrsg.), Lexikon der Ägyptologie, Band 1, Wiesbaden 1975.
  • Uvo Hölscher, Das Grabdenkmal des Königs Chephren (= Veröffentlichungen der Ernst von Sieglin-Expedtion, Band 1), Leipzig 1912.
  • Christian Jacq, Die Pharaonen, Hamburg 1999.
  • Rosemarie Klemm, Eckhard Eichler, Neue Expeditionsinschriften aus der Ostwüste Oberägyptens, MDAIK 54 (1998), S. 245 - 249.
  • Jean-Philippe Lauer, Das Geheimnis der Pyramiden, München 1980.
  • Mark Lehner, Geheimnis der Pyramiden, München 1999.
  • A. Lucas, J.R. Harris, Ancient Egyptian Materials and Industries, 4. Auflage London 1962.
  • William M. Flinders Petrie, The Pyramids and Temples of Gizeh, London 1883.
  • Adolf Rieth, Zur Technik des Bohrens im alten Ägypten, in: Mitteilungen des Instituts für Orientforschung Band VI, Berlin (Ost) 1958, S. 176 - 186.
  • Klaus Richter, Auf den Spuren der "Hemutiu", Sokar 3
  • Klaus Richter, Experimentalarchäologie liefert Hinweise auf Herstellung von Steinsarkophagen, Sokar 3, S. 35.
  • Klaus Richter, Kupfer als Werkstoff im Alten Reich, Sokar 6
  • Klaus Richter, Kernbohrungen im alten Ägypten - Präzision auch ohne Hightech, Skeptiker 2/2004
  • Torsten Sasse, Michael Haase, Im Schatten der Pyramiden, Düsseldorf 1997.
  • Arno Sauerbier, Bohrwerkzeuge in der Pyramidenzeit – Eine Versuchsreihe, Sokar 5
  • Thomas Schneider, Lexikon der Pharaonen, 2. Auflage, Düsseldorf und Zürich 1997.
  • Bettina Schmitz, Die Steine der Pharaonen, Hildesheim 1985.
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  • Denys A. Stocks, Ancient factory mass-production techniques: indications of large-scale stone bead manufacture during the Egyptian New Kingdom Period, in: Antiquity 63 (1989), S. 526 - 531.
  • Denys A. Stocks, Making stone vessels in ancient Mesopotamia and Egypt, in: Antiquity 67, 1993, S. 596 - 603
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  • Denys A. Stocks, Testing ancient Egyptian granite-working methods in Aswan, Upper Egypt, in: Antiquity 75 (2001), S. 89 - 94
  • R. Schulz u. M. Seidel (Hrsg.), Ägypten - Die Welt der Pharaonen, Köln 1997
  • Rainer Stadelmann, Die ägyptischen Pyramiden, 3. Auflage, Mainz 1997.
  • Kent Weeks, Ramses II. - Das Totenhaus der Söhne, München 2001
  • Michael Wood, Der Krieg um Troja, Frankfurt 1985

Spekulative Literatur

  • Horst Bergmann/ Frank Rothe, Der Pyramiden-Code, München 2001
  • Erich von Däniken, Die Augen der Sphinx, München 1989
  • Erich von Däniken, Auf den Spuren der Allmächtigen, München 1993
  • Erdogan Ercivan, Das Sternentor der Pyramiden, 3. Auflage, München 2000
  • Erdogan Ercivan, Verbotene Ägyptologie, Rottenburg 2001
  • Thomas H. Fuss, Abusir - Mysterium einer vergessenen Technik, in: Erich von Däniken (Hrsg.), Das Erbe der Götter, München 1997, S. 373 - 380
  • Graham Hancock, Die Spur der Götter, Begisch-Gladbach 1995.
  • Peter Krassa, Reinhard Habeck, Das Licht der Pharaonen, München 1992
  • Thomas Mehner, Faszination Ägypten, Cheops 2, 1992, S. 40 - 45
  • Thomas Mehner, Kernbohrungen in Abusir, SETI 2/1995, S. 25 - 28.
  • R. Müller, H.W. Sachmann, Merkwürdige Hieroglyphen im Sethos-Tempel von Abydos, in: Ancient Skies 4, 1991
  • Christian Sollner, In Abusir stimmt etwas nicht, in: Erich von Däniken (Hrsg.), Fremde aus dem All, München 1995, S. 125 - 128