Ausblick und Schluss

Der Eindruck, es geht den meisten Protagonisten der Prä-Astronautik weniger um Erkenntnisgewinn als vielmehr um das Aufstellen von Halb- oder Unwahrheiten, mit denen man eine mehr oder weniger fest umrissene "Fangemeinde" befriedigen kann, hat sich bestätigt. Sie haben gar kein Interesse an einer Veränderung, da sie genau wissen, daß dann Manipulationen, die vielfach vorgenommen wurden und werden, erst richtig an die Öffentlichkeit gelangen und sie sich auf diese Weise ihrer Existenzgrundlage berauben. Interessante Aspekte, die eine kritische Forschung ermöglichen könnten, wurden eingestellt. All das zeigt, daß letztlich PS-Forschung in Deutschland weltanschaulich, ideologisch motiviert ist und es gar kein wissenschaftlich motiviertes Interesse an einer Suche nach einem Beweis gibt.

 

Markus Pössel gibt in seinem Buch "Phantastische Wissenschaft" im Schlußteil eine gute Zusammenfassung der gesamten Problematik. Ich will seine Argumente, entsprechend für diesen Artikel abgeändert, hier wiedergeben:

 

1. Paläo-SETI-Autoren gehen mit erschreckender Nachlässigkeit und ohne fundiertes Hintergrundwissen mit Argumenten, Quellen, Fakten oder sogar ganzen wissenschaftlichen Theorien um und entwickeln daraus falsche und fragwürdige Aussagen, deren Ziel die Bewahrung der Ideologie ist: Es gab außerirdische Besucher auf der Erde.

 

2. Ein weiteres Ziel ist die Massenwirksamkeit der propagierten Thesen.

 

3. Diese Vorgehensweise führt zu fehlender Akzeptanz in den Wissenschaften

 

4. Die parawissenschaftliche Organisation der PS-Forschung in der A.A.S. und dem gesamten Umfeld gleicht einer Karikatur von Wissenschaft.

 

5. Jedem, der hofft, bei einem PS-Autor zuverlässige neue Erkenntnisse zu gewinnen, ist dringend zur Vorsicht zu raten. Man sollte Behauptungen dieser Autoren nicht einfach glauben, sondern sich nicht davor scheuen, eigene Nachforschungen insbesondere in der herkömmlichen Wissenschaft anzustellen.

 

6. Journalisten und Medienvertreter sollten gründliche Recherchearbeit leisten, bevor sie unbesehen eine PS-These übernehmen, sei sie scheinbar noch so sensationell und publikumswirksam.

 

Treffend formuliert es auch die Zeitschrift "Skeptiker" in der Ausgabe 3/01 unter der Überschrift "Wie man Rätsel erzeugen kann. (S. 132)"

 

1. Fundstücke, aus ihrem kulturellen Rahmen herausgelöst, erscheinen exotisch.

 

2. Zweifelhaftes wird zum Rätsel erklärt, längst Geklärtes neu als Geheimnis präsentiert.

 

3. Assoziationen werden zu Tatsachen, Fragezeichen zu Ausrufezeichen zurechtgebogen.

 

4. Die wissenschaftliche Deutung wird nicht kritisch hinterfragt, sondern einfach angezweifelt; man stellt ihr unbewiesene Behauptungen entgegen.

 

5. Wissenschaft wird einerseits diskreditiert: Man müsse "uniforme Dogmen" angreifen, denn das "schulwissenschaftliche Weltbild" müsse neu überdacht werden.

 

6. Andererseits stützt man sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse, um eigene Argumente zu untermauern.

 

7. Die Werkzeuge der Wissenschaft - akribisches Dokumentieren, kriminalistische Indiziensammlung und logisches Denken - werden missachtet.

 

8. Es werden wissenschaftliche Aussagen widerlegt, die nie getätigt wurden, und das wird dann als Sieg über die Wissenschaft gefeiert.

 

Das Schlusswort gebührt Dieter B. Herrmann, einem seit langem bekannten Kritiker des Sirius-Rätsels. In seinem Buch "Rätsel um Sirius" (Berlin, 1994) schreibt Herrmann (ebd., S. 20 f.):

"Wissenschaft lebt von Rätseln - gewiß. Man kann Wissenschaft durchaus als eine Strategie des Rätsel-Lösens verstehen. Jedoch die ungelösten Rätsel im weiten Feld der Forschung erweisen sich meist als künftig lösbar. Anders die Rätsel der "Rätselmacher". Sie greifen wundersame Korrelationen auf, für doe man leicht eine spekulative und schwer eine rationale Erklärung finden kann. Angesichts einer wachsenden Flut solcher Art von Literatur verhält man sich dieser Spezies gegenüber vielleicht nicht unpassend, wenn man ihr auch den Status einer Kategorie zuerkennt: Neben die wissenschaftliche Literatur, die populärwissenschaftliche und die etablierte 'Science-fiction' würde sie als 'Science-mystery' zu stellen sein. Die seriöse wissenschaftliche Literatur wirft Fragen der Forschung auf und beantwortet sie mit den historisch entstandenen Methoden der Wissenschaft nach dem jeweiligen Erkenntnisstand. Die populärwissenschaftliche Literatur stellt Methoden und Resultate aus Forschung und Wissenschaft auf eine auch dem Nichtfachmann verständliche Weise dar. Die 'Science-fiction', die wissenschaftlich-phantastische Literatur, bringt wissenschaftliches Denken und phantastische Visionen zusammen, wobei meist aus der Sicht heutiger Erkenntnisse mögliche Zukunftsbilder der Menschheit unter starkr Berücksichtigung des wechselseitigen Geschehens in Wissenschaft, Technik und Gesellschaft entworfen werden. Die 'Science-mystery' nun gibt sich mit dem Anspruch der wissenschaftlichen Literatur, verwendet die Mittel der populärwissenschaftlichen und stellt vom Standpunkt der wissenschaftlichen Klärbarkeit 'hoffnungslose' Fälle vor, mit denen sie ihre Leser in Atem hält und ihnen Probleme suggeriert, die angeblich von existenzieller Bedeutung sein sollen."

Dem ist nichts weiter hinzuzufügen.