Ignoranz

In der sogenannten "Forschung" der Prä-Astronautik werden allerdings nicht nur wissenschaftliche Forschungsergebnisse ignoriert, man kümmert sich auch ungern um Richtigstellung aus den eigenen Reihen. Dabei gibt es zahllose exzellente Arbeiten von Autoren, die mit einigen Mythen der Paläo-SETI gründlich aufräumen. Als Beispiele seien hier nur Jörg Dendl, Wolfgang Siebenhaar oder Johannes Fiebag genannt. Doch werden deren kritische Arbeiten irgendwo in nennenswertem Umfang erwähnt? 1989 schrieb Johannes Fiebag in Ancient Skies kritische Artikel über den Mythos, Atlantis sei eine Insel, die im Atlantik versunken sei. Hat die "Szene" daraus gelernt? Mitnichten, vielmehr hat man den Eindruck,  solche Arbeiten werden wie faule Eier gemieden, denn noch immer geistert der Inselkontinent Atlantis durch die Grenzwissenschaften. Wenn überhaupt, werden solche kritischen Arbeiten aus dem Zusammenhang gerissen zitiert. Lobenswerte Ausnahme ist Erich von Däniken, der in seinem letzten Buch "Im Namen von Zeus" die Arbeiten von Johannes Fiebag zum Thema Atlantis gewürdigt hat. Doch erstreckt sich die Ignoranz nicht nur auf kritische Artikel aus den eigenen Reihen, sie erstreckt sich auf alles, was die Hypothesen der PS-Forscher gefährdet. Protagonisten der PS ignorieren Fakten, sie halten unbeirrbar an ihrem Weltbild fest, es kann nicht sein, was nicht sein darf: Sitchin hat die Kartusche in der Königskammer als Fälschung Vyses entlarvt, es kann nicht sein, daß sie echt ist, weil Sitchin sich das nicht ausgedacht haben kann und Cheops nicht die Große Pyramide erbaut haben darf. Gerade die Pyramiden von Gizeh sind ein Standardbeispiel für diese Haltung: Die Forschung der Ägyptologen und Archäologen hat inzwischen so viele Indizien gefunden und gesammelt, die belegen, daß die Cheops-Pyramide von Pharao Cheops erbaut wurde und daß sie sich in eine lange Evolution einordnen läßt, die etwa ein Jahrhundert zuvor mit der Stufenpyramide Djosers begann. Doch diese Fakten werden ignoriert, man will auf Seiten der PS-Forscher nicht akzeptieren, daß die Pyramiden Grabmäler waren, und so konstruiert man munter Hypothesen aus einer isolierten Betrachtung des Bauwerks heraus, die sich bei näherer Nachprüfung nicht halten lassen. Alles darf es sein - nur darf Cheops die Pyramide nicht als Grabmal errichtet haben. Der Vorwurf der Ignoranz läßt sich noch auf einen anderen Punkt beziehen: Es wird alten Kulturen die Fähigkeit abgesprochen, sich eigenständig entwickelt und in diesem Zusammenhang eigene, hervorragende Leistungen vollbracht zu haben. Diese Vorgehensweise zieht sich wie ein roter Faden durch sämtliche Bücher oder Artikel in der Paläo-SETI: Außerirdische oder Angehörige einer untergegangenen, irdischen Superzivilisation waren die Kulturbringer auf Erden, die Menschen selbst sollen dazu gar nicht in der Lage gewesen sein. Das äußert sich in vielen Facetten: So behauptete Ignatius Donnelly im 19. Jahrhundert, der versunkene Inselkontinent Atlantis habe die Kulturen Mittelamerikas, Ägyptens und Mesopotamiens beeinflußt. Auch wenn Archäologen inzwischen nachgewiesen haben, daß es derartige Kulturbringer nicht gab, glauben immer noch viele an diese Legende, wird sie regelmäßig in der ein oder anderen Form in Artikeln oder in Büchern weitergetragen. Ein anderes Beispiel ist die Behauptung, der frühe Mensch sei von einer außerirdischen Intelligenz genetisch manipuliert worden, denn nur so lasse sich der Schritt zum modernen Menschen, das Fehlen eines Missing Links erklären. Daß dieser Gedanke von Paläoanthropologen und Paläontologen nicht ernsthaft in Betracht gezogen wird, hat nicht etwa etwas damit zu tun, daß man sich vor einem außerirdischen Eingriff fürchtet, sondern daß es dafür bislang keinerlei ernstzunehmende Belege gibt. Warum soll sich nicht der Mensch eigentständig zu dem entwickelt haben, was er heute ist? Diese Fähigkeit traut man ihm jedenfalls in der Paläo-SETI-Forschung nicht zu, etwaige Forschungsergebnisse, die gegen eine außerirdische Manipulation sprechen, werden ignoriert oder lächerlich gemacht. Das kann, das darf nicht sein, es muß eine außerirdische Superzivilisation dahinter stehen. 

 

"Religiöse Aspekte"