
Die Halb- und Unwahrheiten, die von Paläo-SETI-Autoren verbreitet werden, mutieren zu Dogmen und zu Ideologien, die vehement verteidigt werden. Eigene Erfahrungen belegen, daß es eine harten Kern überzeugter Menschen gibt, die an die Paläo-SETI-Hypothese glauben und nicht bereit sind, auch nur einen Milimeter davon abzurücken. Wird eine liebgewonnene PS-Theorie sachlich kritisiert, gar zu Fall gebracht, reagieren diese Menschen mit Unverständnis oder Polemik, also so, als seien sie persönlich angegriffen worden (was - aus ihrer subjektiven Sicht - wohl auch der Fall sein dürfte). Direkten Fragen wird gezielt ausgewichen, nur um einen Irrtum nicht zugeben zu müssen. So hatte vor einigen Jahren Wolfgang Siebenhaar, selbst Mitglied der A.A.S., die Geschichte des 12. Planeten, die sich Zecharia Sitchin ausgedacht hat, in einer Artikelserie in G.R.A.L. sowie der kurzlebigen Zeitschrift "Scientific Ancient Skies" glänzend widerlegt und als Unsinn entlarvt. Vielfache Reaktion war: "Es ist anmaßend, daß ein Herr Siebenhaar es wagt, einen Herrn Sitchin zu kritisieren." Anderes Beispiel: Die angeblich von Howard Vyse gefälschte Kartusche des Pharao Cheops in der Cheops-Pyramide. Auch hierbei handelt es sich um eine Erfindung Sitchins, die von Michael Haase und später nochmals von Markus Pössel mit vernichtenden Argumenten widerlegt wurde. Auch hier die Reaktion: Unverständnis oder Polemik.
Diesen Fällen ist gemeinsam, daß diejenigen, die so heftig auf die Widerlegung der PS-Theorien reagieren, selbst nur diese kennen, sonst aber überhaupt keine weitergehenden Kenntnisse besitzen oder besitzen wollen. Man nimmt dann zwar schonmal wissenschaftliche Arbeiten zur Kenntnis, liest sie aber nicht richtig oder verdreht völlig die Aussage, die dort getroffen wird. Typische "Totschlagargumente" der PS-Anhänger, die angewandt werden, wenn die Argumente ausgehen, sind Sätze wie "Die Wissenschaftler waren damals nicht mit dabei, die können das gar nicht genau beurteilen", "Kritiker liefern keine Argumente, ihnen paßt nur die Ansicht der PS nicht" oder "Die Kritiker sind Protagonisten der Wissenschaft, die Angst davor hat, dass ihre liebgewonnenen Denkmodelle zerstört werden."
Zusammenfassend lässt sich feststellen, daß viele Anhänger der Prä-Astronautik ein Verhalten an den Tag legen, wie es Erich von Däniken in seinen Büchern den Wissenschaftlern immer wieder vorgeworfen hat: Die Unfähigkeit, über den eigenen Tellerrand zu schauen, die Ignoranz dessen, was sich außerhalb der Paläo-SETI tut. Und dieAutoren, die im Fahrwasser Erich von Dänikens ihre Bücher schrieben und veröffentlichten, taten und tun nichts, den Anhängern der Paläo-SETI den Blick über den Tellerrand zu ermöglichen - im Gegenteil: Längst von der Wissenschaft widerlegte Stützen der PS-Hypothese werden künstlich am Leben erhalten, man verdreht oder manipuliert Erkenntnisse zur Not so, daß sie in das grenzwissenschaftliche Weltbild hineinpassen. Dem der Wissenschaft unkundigen Leser solcher Bücher wird zugleich nahegelegt, nur ja nicht die Wissenschaft zur Kenntnis zu nehmen, indem man sich entweder über wissenschaftliche Theorien lustig macht (so bei Erich von Däniken) oder das Weltbild der Wissenschaften als "verkrustet" bezeichnet (P. Fiebag, Der Götterplan). Das so etwas durchaus auf fruchtbaren Boden fällt, zeigt die Reaktion vieler Anhänger der PS-Hypothese, wenn sie mit Kritik konfrontiert werden. Ohnehin ist Kritik etwas, mit dem ein gestandener PS-Autor nur umzugehen vermag, wenn sie positiv ist. Negativkritik - und sei sie sachlich und begründet - darf nicht sein, wird nicht akzeptiert. So war und ist es üblich, Bücher grenzwissenschaftlicher Kollegen in "Sagenhafte Zeiten" (früher "Ancient Skies") stets positiv zu besprechen und den gegenseitigen Schulterschluß zu üben, selbst wenn in den betroffenen Büchern der größte Unsinn stehen sollte. All das läßt nur einen Schluß zu: Es geht bei der Vermittlung von Prä-Astronautischem Gedankengut nicht um Diskussionsalternativen oder die Schaffung von Wissen, sondern es geht um eine Weltanschauung, eine Ideologie.
Bestätigt wird dies durch den Umgang mit kritischer Literatur und die Rezensionspraxis in der Prä-Astronautik. Was bei der Lektüre prä-astronautischer Bücher auffällt, ist das hohe Maß an Selbstbestätigung, dass die Autoren bei der Verwendung von Arbeiten ihrer "Kollegen" suchen. Kritische Literatur, die für die These der "Götterastronauten" den Todesstoß bedeuten würde, wird so gut wie gar nicht berücksichtigt und wenn, dann nur, um etwa selektiv Aussagen herauszuziehen, mit der sich die These der Götterastronauten stützen lässt, oder der kritische Autor und seine Arbeit werden lächerlich gemacht. Ein Beispiel für das erstere ist der Umgang von Eenboom, Belting und Fiebag mit Aussagen aus dem Buch "Das Rätsel des Cheops" von Michael Haase ("Messleeren"), ein Beispiel für das zweite ist der Umgang Erich von Dänikens mit Literatur zu den Maya oder den Linien von Nazca, die nicht zu dem Ergebnis kommen, hier sei das Wirken von "Götterastronauten" spürbar, sondern rein archäologische Erklärungen anbieten: Däniken zieht diese Arbeiten einfach ins Lächerliche und stempelt sie dadurch als Unglaubwürdig ab. Paralell dazu fällt ein gegenseitiges Schulterklopfen prä-astronautischer Autoren bei Rezensionen auf - es kann in einem Buch der größte Unsinn stehen, es wird (üblicherweise in "Sagenhafte Zeiten") eine positive Rezension geben, die das neue "Werk" als eine "Bereicherung" für die "Forschung" beschreibt. Kritische Stimmen werden unterdrückt. Gehen wir weg von den Printmedien ins Internet - genauer: Zu Amazon. Hier ist die Technik der "Selbstbeweihräucherung" in besonders deutlichem Maße zum Ausdruck gekommen. Während in "Sagenhafte Zeiten" immerhin noch andere als der Autor ein Buch rezensieren, hat das bei Amazon in der Vergangenheit der Autor gleich selbst in die Hand genommen und seine Publikationen unter Verwendung verschiedenster Pseudonyme (aber stilistisch überwiegend gleich) und unter Vergabe der höchsten Bewertung von fünf Sternen mit Lobeshymnen versehen. Ein Beispiel dafür ist Erdogan Ercivan. Man mache sich einmal den Spaß und schaue bei seinen Büchern nach, die bis 2007 erschienen sind - dort häufen sich fünfsterne-Rezensionen in unglaublichen Mengen, und viele davon stilistisch so ähnlich, dass sie auf einen Urheber zurückgehen. Und nun werfe man einen Blick auf Ercivans neuestes Buch "Missing Link der Archäologie:" Dort sieht es ganz anders aus - es gibt nur wenige Rezensionen, die meisten davon bewerten das Buch schlecht! Wo sind denn nun die ganzen Rezensenten geblieben, die so freimütig fünf Sterne für Ercivans Machwerke vergeben haben? Vermutlich gibt es sie nicht - und das hat mit der Umstellung des Rezensionssystems bei Amazon zu tun. Bis 2007 war es möglich, sich unter Angaber eines Pseudonyms und einer gefakten Emailadresse als Kunde anzumelden und Rezensionen zu schreiben - solche, die den Autor in den siebten Himmel lobten und missliebige Autoren mit regelrechten Rezensionskampagnen überzogen. Inzwischen hat Amazon das System geändert: Rezensieren kann sich nur, wer sich unter Angabe einer existierenden Emailadresse registriert und bei Amazon Waren bestellt und bezahlt hat. Die ganzen fiktiven Persönlichkeiten können das natürlich nicht, und so beobachtet man bei Ercivans "Missing Link der Archäologie" einen drastischen Rückgang an Rezensenten. Lediglich eine Rezensentin hält ihm treu die Stange - es ist auch diese Rezensentin, die andere Rezensenten im Kommentarfeld, das es zu jeder Rezension gibt, massiv angreift, wenn diese eine schlechte Kritik zu dem Buch schreiben.
Was hat all das nun mit Religion zu tun?
Eine ganze Menge! Was wir hier beobachten, ist vergleichbar dem Vorgehen der kirchlichen Inquisition gegen kritische Geister in allen Bereichen der Geistes- und Naturwissenschaften. Prä-Astronautiker sehen sich gerne in der Rolle eines Galilei oder Giordano Bruno und ihre Kritiker als Inquisition - doch es verhält sich genau umgekehrt! Galilei, Giordano Bruno und andere waren der katholischen Kirche der Renaissance ein Dorn im Auge, denn ihre Entdeckungen brachten das festgefügte kirchliche Weltbild ins Wanken. Dieses Weltbild nährte sich aus Literatur des Mittelalters und der Antike (Aristoteles, Ptolemäus - und natürlich die Bibel), und die Kirche sorgte dafür, dass auch nur diese Literatur zugänglich war, gelesen und gelehrt wurde. Alles andere wurde unter Verschluss gehalten, kritische Gedanken wurden schlimmstenfalls mit dem Tode bestraft, wie es Giordano Bruno im Jahre 1600 am eigenen Leibe erfahren musste. Die Masse der Gläubigen - dies ging durch alle gesellschaftliche Schichten - war entsprechend durch die Ideologie der katholischen Kirche indoktriniert. Erst im Zuge der Aufklärung änderte sich das langsam.
In der Prä-Astronautik wird ähnlich verfahren: Kritische Literatur wird ausgegrenzt, Kritiker werden angeprangert, und man selbst bestätigt sich und seine Ideologie durch das stetige Wiederkäuen von Literatur aus den eigenen Reihen. Auf diese Weise werden Anhänger der Prä-Astronautik regelrecht konditioniert, so dass einen die oben geschilderten Reaktionen über die kritischen Beiträge eines Wolfgang Siebenhaar, Markus Pössel oder Michael Haase nicht verwundern dürfen. Letztlich geht es hier - genau wie bei der katholischen Kirche der Renaissance - um Machterhalt. Die "Macht" drückt sich hier in der "Herrschaft" der Ideologen über die "Gläubigen" aus, die sich durch das stete Nachbeten parawissenschaftlicher Spekulationen kritisches Denken (nicht unverschuldet!) nehmen lassen, denn eines mögen die Protagonisten der Prä-Astronautik gar nicht: Den kritischen Blick über den Tellerrand.
"Gefällte Säulen der PS-Hypothese"