
So verführerisch der Gedanke auch sein mag, daß Außerirdische die Erde in der Vergangenheit besucht haben und sich unsere Frühgeschichte vielleicht nicht so abgespielt hat, wie es uns die Wissenschaft lehrt: Man sollte sich davor hüten, jedes nicht gleich erklärbare Relikt der Vergangenheit zu einem "Indiz" oder "Beweis" für die Prä-Astronautik zu erklären, sondern diesen Relikten mit wissenschaftlichen Methoden gründlich nachgehen. In der Wissenschaft geht es nicht darum, eine Behauptung zu beweisen, es geht vielmehr darum, sie zu falszifizieren. Wissenschaftliche Hypothesen müssen so vorgebracht werden, daß sie überprüfbar und damit auch falsifizierbar sind.
Das gilt so aber nicht für diejenigen, die "Forschung" im Rahmen der Prä-Astronautik (auch Paläo-SETI genannt) betreiben. Hier steht auf jeden Fall das Ergebnis von vornherein fest, wird die Argumentation so manipuliert, das sie mit dem Ergebnis - scheinbar - stimmig ist. Alle Behauptungen der Paläo-SETI, die grundsätzlich nicht falsifizierbar sind, entbehren schon deshalb der Wissenschaftlichkeit, weil sie nicht falsifizierbar sind. Beispiele gibt es zur Genüge.
Vielfach werden Fälschungen als Beweise für irgendeine irrwitzige Hypothese präsentiert. Ein Beispiel sind die Steine von Ica - Fälschungen, auf Anweisung des inzwischen verstorbenen Dr. Cabrera (Ica, Peru) ausgeführt, von vielen Autoren der Paläo-SETI aber als echt verkauft. Ganze Theoriengebäude von einer Menschheit vor der Menschheit, einer vergangenen Kultur mit Hochtechnologie oder Außerirdischen haben sich daran aufgeknüpft. Oder nehmen wir als letztes Beispiel die Grabplatte von Palenque. Seit Ende der achtziger Jahre die Mayahieroglyphen entziffert wurden und die Mayaikonographie bekannt ist, steht fest, daß auf der Grabplatte kein Raumfahrer in seinem Raumschiff dargestellt wurde, sondern daß es sich um eine religiöse Darstellung handelt, die den Mayaherrscher Pacal II. auf seinem Weg nach Xibalba, dem Jenseits der Maya, zeigt. Zugleich stellt die Grabplatte die Mittlerrolle des Königs zwischen dem Dies- und dem Jenseits dar, eine wichtige Funktion, die Pacal II. als Schamane zukam. Und schließlich ist die Grabplatte politische Propagande, rechtfertigt sie die Thronbesteigung Pacals und die Vererbung des Thrones an seinen Sohn Chan-Balum. Doch diese Erkenntnis stört die Anhänger der PS wenig: Die neuen Erkenntnisse der Mayaforschung werden so manipuliert, daß von der Raumschiffthese keineswegs Abschied genommen werden mußte. Die Liste derartiger Manipulationen im Dienste der Paläo-SETI ließe sich noch weiter verlängern.
Die Gläubigen saugen diese Dinge begierig auf, erklären sie zu Dogmen, lassen daran nicht mehr rütteln - und wer es dennoch wagt, über den komme der Zorn der Götter, zumeist in Angriffen ad personam. Eine seltsame Reaktion, denn eigentlich sollten sich die Betroffenen darüber ärgern, daß man sie gezielt an der Nase herumgeführt hat - aber offenbar besteht gerade daran ein großes Bedürfnis, und nicht zuletzt ist es wesentlich einfacher, etwas zu glauben als etwas zu wissen!
Manch ein Anhänger der PS argumentiert, daß die A.A.S. für jeden offen sei, sowohl für Leute mit wissenschaftlicher Vorbildung sowie, als anderes Extrem, solchen, die eine rudimentäre Schulbildung haben. Das sei, so wird dann weiter argumentiert, die Berechtigung dafür, auch unwissenschaftlich arbeiten zu dürfen. Doch das überzeugt nicht: Die A.A.S. tritt als Forschungsgemeinschaft auf und sucht trotz aller Wissenschaftshetze den Kontakt zu den Wissenschaften, will mit einem alternativen Erklärungsmodell überzeugen. Auf der früheren Homepage der A.A.S. wurde dies auch explizit zum Ausdruck gebracht:
"Das Ziel der A.A.S. - "Forschungesellschaft für Archäologie, Astronautik und SETI ist es, einen anerkannten Beweis für ehemalige Besuche von Ausserirdischen auf unserer Erde zu erbringen. Dabei wollen wir den Grundregeln des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns folgen, uns aber nicht von bestehenden Dogmen oder Paradigmen eingrenzen lassen."
Es sei in diesem Zusammenhang auch auf die Infrastruktur der A.A.S. hingewiesen, die einer der herkömmlichen Wissenschaften ähnlich ist. Man verwendet als Ausgangspunkt einen "Fachterminus", entweder "Prä-Astronautik" oder "Paläo-SETI-Hypothese," veranstaltet nationale und internationale Konferenzen und veröffentlicht mit den "Sagenhaften Zeiten" eine "Fachzeitschrift", in denen "Fachartikel" mit Bezug zur grundlegenden Hypothese veröffentlicht werden. Eine Zeitlang wurde sogar ein Forschungspreis vergeben, man bemühte sich sogar um ein Magazin mit echtem wissenschaftlichen Anstrich: Die Scientific Ancient Skies, die leider nach zwei Ausgaben eingestellt wurden.
"Quellen"